Alfred A. Taubman
Hohe Taxen durchkreuzen Erwartungen

Die durchwachsene Offerte aus der Sammlung des ehemaligen Sotheby’s-Eigentümers kann zwar zu fast 90 Prozent abgesetzt werden. Doch das Ergebnis für den Mix aus Kunst vom Impressionismus über den Futurismus bis zur Gegenwartskunst lässt zu wünschen übrig. In den kommenden Monaten stehen noch einmal 400 Werke aus der Taubman-Kollektion zum Verkauf.

New YorkDer Abend begann durchaus beschwingt. Sanft säuselte brasilianische Barmusik kurz vor Beginn der Versteigerung der Sammlung Alfred Taubmans am 4. November 2015 durch Sotheby’s Foyer, um die 1.000 Bieter und auch Schaulustige wurden mit feinen Weinen, Champagner und Canapees umgarnt. Ein passender Zug, schließlich hatte Taubmann, der von 1983 bis ins Jahr 2000 Eigentümer von Sotheby’s und nach dem Börsengang Mehrheitseigner war, die feine Lebensart ins bis dahin staubige Versteigerungsgeschäft gebracht.

Auktionsriesen ausgespielt

Der im April verstorbene Taubman hatte in 50 Jahren über 500 Kunstwerke von der Antike bis in die Gegenwart zusammengesammelt. Seine Erben zettelten einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf unter den beiden Marktführern an. Sotheby’s schlug schließlich den Rivalen Christie’s durch eine Garantieleistung von etwa 500 Millionen Dollar aus dem Rennen. Das ist die höchste Summe, die je als Sicherheit für eine Sammlung bewilligt wurde.

Die ersten, am 4. November 77 feilgebotenen Lose boten einen bunten Mix von Impressionisten, Kubisten, Futuristen und Surrealisten, über Amerikanisches wie etwa Georgia O’Keefes Pastell „Pink and Green“ (1922, 2,5 Millionen Dollar) bis hin zur Gegenwartskunst. Der Abend sollte mindestens 374,8 Millionen Dollar netto einspielen. Die 69 verkauften Lose brachten aber nur 326 Millionen Dollar netto ein, mit Aufgeld sind es 377 Millionen.

Dekor für Privathäuser

Trotz der guten Absatzquote von fast 90 Prozent blieb ein schaler Geschmack, der Saal hielt sich beim Bieten zurück und nur weniges begeisterte. Händler kritisierten vor allem die hohen Taxen. Der hochtrabende Titel der Auktion, „Masterworks“, täuschte nicht über das durchwachsene Qualitätsniveau hinweg. Wie ein Händler süffisant bemerkte: Es ist weniger eine Sammlung als eine Ansammlung. Taubman nutzte die Werke vor allem als Dekor für seine Häuser in Michigan, Florida und New York.

Frühe Galerie-Käufe werden honoriert

Aber es gab auch Lichtblicke. Nach dem Erwerb von Sotheby’s kaufte Taubman vor allem dort ein, aber Bieter honorierten seine frühen Käufe in den 1970er- und 1980er-Jahren bei Galerien in New York und Los Angeles. So verdoppelte etwa Frank Stellas wichtiges, fast zwei Meter im Quadrat messendes rotes Bild „Delaware Crossing“ (1961) den bisherigen Rekord auf 13,7 Millionen Dollar (Taxe 8 bis 12 Millionen Dollar).

Mindestens fünf Bieter stritten sich um das minimalistische Bild aus der sechsteiligen Serie „Benjamin Moore“, so benannt nach der verwendeten Wandfarbenmarke. Im Whitney Museum wird auch gerade eine umfassende Retrospektive des Künstlers gezeigt. Auch Willem de Koonings abstrakte Landschaft „Untitled XXI“ (1976) mit kräftigen roten Akzenten spürte Taubman bereits 1977 bei James Corcoran in Los Angeles auf. Hier erfüllten sich die Rekorderwartungen jedoch nicht. Die bewilligten 22 Millionen Dollar netto (24,9 Millionen brutto) blieben unter der Erwartung.

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Geliebte des Händlers Zborowski

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