Allein gelassen
Neu im Kino: "Schussangst"

Gerade ist Gus Van Sant's "Elephant" in die Kinos gekommen, über den Amoklauf zweier Jugendlicher an einer amerikanischen Schule. Und schon wieder greift ein junger Mann zum Gewehr.

In dem Film, den der in Berlin lebende und arbeitende Regisseur georgischer Herkunft Dito Tsintsadze machte (er hatte mit "Lost Killers" Erfolg, "Schussangst gewann das Festival von San Sebastian). Der junge Mann heißt Lukas (Fabian Hinrichs). Er ist schüchtern, fast verklemmt, spricht wenig. In Halle fährt er, als Ersatz für den Wehrdienst, Essen aus. Lernt Menschen kennen, merkwürdige Zeitgenossen darunter. Wenn er am Ende das Gewehr abfeuert, überrascht uns das nicht (auch wenn es uns überrascht, auf wen er es richtet).

Denn Dito Tsintsadze erklärt zwar nicht, lässt aber ahnen, wieso er das tut. Dieser Lukas ist einsam, ohne Familie, ohne Freunde. Er würgt alles in sich hinein. Einsam, irgendwie unter einer Glocke der Isolation, leben sie alle in diesem Film, das formuliert Tsintsadze auch mit kargen, fast stilisierten Bildern. Das Mädchen, in das sich Lukas verliebt (Lavinia Wilson), auch sie ein einsamer Mensch, erwidert seine Liebe nicht. Da kommt also Enttäuschung dazu: aus Liebe, vom Leben. Die beiden jungen Menschen, die der Film porträtiert, sind alleine gelassen von der Gesellschaft, in der sie leben (unserer), ohne jegliche soziale Anbindung, niemand, mit dem sie sprechen könnten: Darin sieht der Film einen der Gründe, warum es am Ende zur Gewalt kommt.

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