"Allende-Flop"
Krisenstimmung im Hause Suhrkamp

Ein Jahr war alles friedlich im Hause Suhrkamp, nun heißt es gar, der Verlag stehe nach einer Fehlinvestition in Allendes "Zorro" vor einem ökonomischen Kollaps. Geschäftsführer Georg Rieppel muss gehen, andere verlassen das Haus freiwillig...

HB FRANKFURT/MAIN. Die Ruhe im Hause Suhrkamp war trügerisch und währte nicht lang: Nach einem guten Jahr in scheinbar ruhigem Fahrwasser manövriert der Frankfurter Verlag nun erneut in schwerer See. Am Donnerstag gab Suhrkamp bekannt, dass der erst Mitte 2004 geholte Geschäftsführer Georg Rieppel das Haus schon wieder verlässt. Damit hat der Verlag gut zwei Jahre nach dem Weggang von Geschäftsführer Günter Berg und dem darauf folgenden geschlossenen Rücktritt des hochkarätig besetzten Stiftungsrats erneut ein Problem. Und zwar nicht nur ein personelles, sondern ein grundlegendes, meinen Insider der Verlagsszene.

Rieppel war im Geschäftsführer-Quartett von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz (Vorsitz), Rainer Weiss (Programm) und Philip Roeder (Kaufmännisches) für Marketing und Vertrieb zuständig. "Da keine Einigung über die Ausrichtung des von Herrn Georg Rieppel verantworteten Geschäftsbereichs erzielt werden konnte", habe man die Zusammenarbeit beendet - "im gegenseitigen Einvernehmen", wie es immer so schön heißt, wenn beiden Seiten klar ist, dass das Tischtuch zerrissen ist. Ehe die Nachricht die Runde machte, hatte Rieppel seinen Schreibtisch in der Frankfurter Lindenstraße angeblich bereits geräumt. Er soll schon im Dezember nicht mehr im Verlag gewesen sein.

In der Branche heißt es, Rieppel und Berkéwicz hätten schon seit drei Monaten nicht mehr miteinander gesprochen. "Es knirschte bereits im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse mächtig", sagt ein Verleger. Rieppel, der zuvor mit großem Erfolg bei C.H. Beck in München den Publikumsbereich aufgebaut hatte, sei angelastet worden, dass unter seiner Hand der Verlag nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg erzielt habe.

Berkéwicz habe ein "Opfer" gesucht, mutmaßt ein Verlagskenner: "Die Dame hat entschieden, dass einer Schuld sein muss an den Versäumnissen der letzten Monate." Rieppel habe mit progressiven Marketing-Ideen versucht, Suhrkamp "aus der literarischen Edelnische ins Populäre zu holen", meint ein anderer Verleger. Das habe offenbar Widerstand im Verlag ausgelöst.

Rieppel sei ein "sehr umsichtiger, erfahrener Kollege - kein Heißsporn", aber ein "Alphatier", das mit Berkéwicz, die bei Suhrkamp inzwischen "absolut das Sagen hat", nicht klargekommen sei. "Und wer nicht mit ihr kann, hat schon verloren."

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