Alte Graphik
Perlen in den Lagerlisten

Der Graphik-Markt führt ein unauffälliges Dasein. Bis zu dem Moment, wenn wieder einmal ein Spezialhändler ein hochrangiges Angebot vorlegt. Die neuesten Lagerkataloge von C.G. Boerner sind ein gutes Beispiel.
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Dem Markt für Alte Graphik mangelt es an Publizität, weil so wenige relevante Auktionen stattfinden. Aber immer dann, wenn ein Spezialhändler ein substantielles Angebot vorlegt, greifen Sammler und Museen auch zu. Das zeigt sich auch bei den neuesten Lagerlisten des Düsseldorf-New Yorker Kunsthauses C.G. Boerner, die beachtliche Marktraritäten enthalten.

Internationale Sammler, darunter auch Neukunden, haben bereits zugegriffen. Allein aus dem Separatkatalog mit superben Exemplaren aus dem radierten und gestochenen Werk des französischen Manieristen Jacques Bellange wurden fünf teure Blätter verkauft. Zu haben sind unter anderem noch ein in der Literatur aufgeführter Abzug der figurenreichen „Erweckung des Lazarus“ (63.000 Euro) und die frühe, zart radierte „Heilige Familie“ (31.000 Euro), ein ebenfalls in der Literatur erwähntes Exemplar.

Seltene Frühdrucke von Piranesi

Der Hauptkatalog „Selected Prints 1470 – 1820“ hat auch schon erfreulichen Anklang gefunden. Blätter von Ghisi, Fantuzzi, Goltzius, Jegher, Callot, Morin, Ostade und Angelika Kauffmann sind verkauft. Der breite Radius der Offerte animiert. Zu den Raritäten zählen im italienischen Bereich die 13-teilige Kupferstich-Folge  „Christus und die zwölf Apostel“  von Marcantonio Raimondi nach Raffael-Zeichnungen (9.600 Euro) und die vierteilige im Oval komponierte Götterserie von Giorgio Ghisi nach den Deckenfreskos von Primaticcio in Schloss Fontainebleau (21.000 Euro). Äußerst selten ist auch eine der aus den „Vedute di Roma“ und früheren Radierungen kompilierte Ausgabe von 36 Piranesi-Radierungen, die in Frühdrucken unter dem Titel „Magnificence di Roma“ angeboten wurden (59.000 Euro).

 

Ein breitrandiger harmonischer Abzug von Rembrandts Hauptblatt „Christus lehrend (La Petite Tombe)“, eine Dublette des Art Institute Chicago, wird für 56.000 Euro angeboten. „Die Badenden“, eines der größten Blätter von Carl Wilhelm Kolbe, enthält alle Elemente aus dem romantischen Themenarsenal des Künstlers: die monumentale Eiche, Kuhherde, Aktfiguren und wilde Kräuter (4.800 Euro).

Ein Zeitgenosse von Gauguin

Gesteigerte Aufmerksamkeit verdient auch ein Sonderkatalog mit 17 zum Teil handkolorierten Graphiken von Emile Bernard, der in den späten 1880er Jahren mit Gauguin in Pont-Aven arbeitete und dessen Werke stark von der bretonischen Landschaft und Religiosität geprägt sind. Die Preise sind mit 600 bis 3000 Euro noch betont moderat.

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