Alte Kunst
Betrachtungen eines liebeskranken Eremiten

Lempertz setzt vor allem mit Altmeistern, Schmuck und Malerei des 19. Jahrhunderts 9 Millionen Euro um. Erfolgreich schneidet auch die auf Qualität bedachte Meissen-Offerte ab. Möbel werden dagegen wie immer selektiv beboten.
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KölnAuch wenn diesmal Millionenobjekte fehlten, waren die Kölner Lempertz-Auktionen alter Kunst am 15. und 16. Mai 2015 ein unbestrittener Prestige-Erfolg. In den mit über 1000 Losen bestückten Sitzungen wurden 9 Millionen Euro umgesetzt. Sowohl beim Kunstgewerbe als auch bei den Altmeistergemälden gab es überraschende Preissteigerungen, die nicht immer die erklärten Spitzenstücke betrafen.

So wurde in der durch von Silber und Schmuck dominierten Kunstgewerbe-Auktion ein mit 4.000 Euro offensichtlich stark unterschätztes Reiseinstrument der Renaissance durch unverzagte Telefongebote auf 285.000 Euro inkl. Aufgeld gehoben. Ein deutscher Sammler siegte bei diesem musealen, 1608 datierten Werk des Nürnberger Kompassbauers Paulus Reimann gegen acht weitere Telefonbieter, darunter auch ein Museum.

In der Schmuckabteilung stieg eine nabellange, auf 12.000 bis 15 000 Euro angesetzte Orientperlenkette (Sautoir) des Art Déco auf 198.000 Euro. Der Preis für die mit Diamanten und zwei Perlen in Tropfenform gestaltete Kette wurde vom Londoner Handel hochgetrieben. Eine Demi-Parure (Ensemble aus Ohrschmuck und Brosche) im neo-hellenistischen Stil des Londoner Historismus-Juweliers Carlo Giuliano stieg von 8.000 auf 39.700 Euro. Die umfangreiche Schmuckpartie wurde von prompten Geboten des Handels begleitet.

Königin Charlotte bemalte die Porzellanplatte

Höchster Zuschlag unter den wie immer selektiv bebotenen Möbeln galt einem Guéridon (kleinen Beistelltisch) des Ebenisten Johannes Klinckerfuß. Das klassizistische Salonmöbel, das mit einer 1813 von Königin Charlotte Auguste von Württemberg bemalten Porzellanplatte geschmückt ist, stieg dank deutschem Privatgebot von 20.000 auf 87.000 Euro.

Das auf Qualität konzentrierte Meissen-Angebot, das inzwischen weltweit weniger, aber dafür hochkarätige Sammler anzieht, wurde mit wenigen Ausfällen zügig abgesetzt. In den Münchner Handel ging für 106.000 Euro ein großer Walzenkrug mit Chinoiserien in der Art von J.G. Hoeroldt. Ein in derselben Periode 1725-30 mit Purpurlüster bemalter Becher wanderte für 37.000 Euro (Taxe bis 4.000) in eine Schweizer Privatsammlung.

Van Hoogstraetens Triptychon bleibt in Belgien

Das beste Bild der Altmeister-Auktion am 16. Mai war ein Kabinett-Triptychon des altniederländischen Meisters van Hoogstraeten, dessen Mittelteil die Heilige Familie zeigt. Auf den Seitenflügeln sind die Heiligen Katharina und Barbara dargestellt. Das Triptychon ist durch seine Herkunft aus dem Besitz des Bildhauers Otto Wesendonck geadelt und kam jetzt aus einer belgischen Sammlung. Ein belgischer Sammler holte es für 322.000 Euro in das Herkunftsland zurück.

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