Alte Kunst
Der vergessene Malerfürst

Zu einer Zeit, als die künstlerische Avantgarde alle akademischen Vorschriften aus dem 19. Jahrhundert über den Haufen warf, bediente Carl von Marr noch weit ins 20. Jahrhundert hinein den Geschmack eines etablierten Bürgertums. Nun versteigert Van Ham weitgehend unbekannte Werke aus seinem Münchener Nachlass.

KölnDas Kölner Auktionshaus Van Ham wird im Rahmen der Auktion Alter Kunst am 13. November zusätzlich den bisher unbekannten Nachlass von Carl von Marr (1858-1936) unter den Hammer bringen. Ein Sonderkatalog dokumentiert 86 Werke und kunstgewerbliche Objekte des einflussreichen Vertreters der „Münchner Schule“.

Es sind überwiegend Porträts, religiöse Darstellungen und Skizzen des Deutsch-Amerikaners, die Van Ham als Auktions-Highlight in einem separaten Katalog ankündigt. Von Marr, Sohn eines deutschen Auswanderers, kam nach Deutschland zurück, lehrte und wirkte bis 1924 als Rektor an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München. Streng ging es dort damals zu. Traditionelle Sujets und eine realistische Malweise wurden vehement hochgehalten.

Entdeckung durch den Van Ham Art Estate

Von Marr liebäugelte aber bald auch mit Merkmalen des Impressionismus. Dekoriert mit Adelstiteln und Goldpreisen in Europa wird der Maler in den USA heute sogar weitaus mehr beachtet. Der Van Ham Art Estate, die sich dem Management von Künstlernachlässen verschrieben hat, spürte das Konvolut in der Villa Messerschmitt des Münchener Künstlerfreundes Pius Ferdinand Messerschmitt auf.

Das Angebot umfasst auch historisches Mobiliar sowie Werke Messerschmitts. Am höchsten taxiert auf 50.000 bis 60.000 Euro ist von Marrs über zwei Meter großes Gemälde „Der sinkende Tag“ mit symbolistischer Darstellung. Sein Bild „Der Maler“ zeigt Messerschmitt im Malerkittel und mit Pinsel und ist auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzt.

Liebäugelei mit dem Impressionismus

Bei seinen Landschaftsbildern integrierte von Marr meist die menschliche Figur. Insbesondere hier ist der Einfluss des Impressionismus deutlich: Er tupfte viel Weiß. Die Taxen bei diesen Kleinformaten bewegen sich jeweils im unteren einstelligen Tausenderbereich. Nennenswert sind auch die Porträts seiner Tochter Trudi mit leicht blasiertem Ausdruck und seines Vaters sitzend im Profil (Taxe jeweils 3.500 bis 4.000 Euro). Ein barocker Tabernakelsekretär aus edlem Nussholz ist auf 2.500 bis 3.000 Euro taxiert, ein Biedermeier-Tafelklavier auf 900 bis 1.200 Euro.

Von Pius Ferdinand Messerschmitt (1858-1915), ebenfalls Professor und bedeutender Zeitgenosse im damaligen München, werden unter anderem eine Ölskizze zu seinem verschollenen Gemälde „Kapuzinerpredigt in Wallensteins Lager“ von 1888 (Taxe 2.500 bis 3.000 Euro) sowie kleine Aquarelle zu dreistelligen Schätzpreisen angeboten.

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