Alte Kunst
Ein Paravent reist um die Welt

Griechenland- und Eurokrise machen dem Schweizer Auktionshaus Koller keine Probleme. Vor allem russische Sammler bedienen sich auf der ersten Herbstauktion. Auch arabische Käufer bieten mit. Sie interessieren sich für Möbel aus Barock und Rokoko.
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Zürich.Die Herbstauktionen des Züricher Auktionshaus Koller verliefen unbeeindruckt von Griechenlandkrise und Euro-Wirren. Rund 250 Lose umfasste das Gemäldeangebot, das Cyril Koller, Leiter und Altmeisterexperte des größten Schweizer Versteigerers am 23. September versteigerte. Dabei hörte man neben Deutsch - und dem obligaten Schweizerdeutsch – gelegentlich Wortfetzen in Englisch und Russisch.

Russen erwerben die Hauptlose

Russische Privatkäufer waren es denn auch, die einige der Hauptlose ersteigerten. Dabei bevorzugen sie neuerdings nicht mehr nur Arbeiten russischer Maler des 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts. Das minutiös auf Kupfer gemalte, signierte und datierte „Stilleben mit Früchten in einem Flechtkorb“ von Ambrosius Bosschaert d. J. aus dem Jahre 1633 ging als teuerstes Bild der Versteigerung für umgerechnet 377.000 Euro ebenso nach Russland wie unmittelbar davor zum Vierfachen seiner mittleren Schätzung Jacob van Walscapelles Stillleben mit Glaskrug, venezianischem Weinglas und Zitrone für 298.000 Euro.

Kein Gebot für Frans Francken

Selbst die im frühen 16. Jahrhundert vom Antwerpener Meister der Mansi Magdalena gemalte Darstellung der Heiligen Familie vor einer weiten Landschaft sicherte sich ein Russischer Bieter. Er ließ sich von der sakralen Thematik nicht abschrecken und bot deutlich über dem Schätzpreis liegende 258.000 Euro.

Unverkauft blieb dagegen Frans Franckens vielfiguriges „Gastmahl des Belsazar“ aus der Zeit um 1610 zum Schätzwert von 600.000 bis 780.000 Euro. Die Provenienz des um 1610 entstandenen Bildes lässt sich bis weit ins 19. Jahrhundert in die Sammlung des Basler Großbürgers Christoph Merian zurückverfolgen. Cyril Koller wertet dies allerdings weniger als Enttäuschung denn als Bestätigung einer starken Beteiligung privater Sammler, die besonders hohe Ansprüche an den Zustand und die Erhaltung solch musealer Werke stellen.

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