Alte Kunst
Ende einer Sammlung

Um die Sammlung des Florentiner Antiquitätenhändlers Salvatore Romano hatten sich Mythen gerankt. Auch weil sie lange nicht zugänglich war. Als Sotheby's 1 800 Kunstwerke und Skulpturen versteigerte, enttäuschte sie in den Spitzenstücken.
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Als Schatzkammer von unschätzbarem Wert galt der Florentiner Palast Magnani Feroni. Denn hier hatte der Antiquitätenhändler und Sammler Salvatore Romano (1875 - 1955) zur Blütezeit des Kunsthandels, als Bernard Berenson und Wilhelm von Bode am Arno verkehrten, Gemälde, Skulpturen und Objekte zusammengetragen.

Sein Sohn Francesco (1910 - 1981) setzte die Sammlung fort, von der sich die neun Erben nun endgültig trennten. Zu der dem Auktionshaus Sotheby´s anvertrauten Zerstreuung der Romano-Schätze - 1 800 Lose, in vier Katalogen aufgelistet - fanden sich zahlreiche internationale Sammler und Händler in Florenz ein. Die lokale Kulturschutz-Behörde hatte fast allen Werken die Aussreiseerlaubnis erteilt. Neugierig waren alle Szenekenner, denn die Sammlung war seit Jahrzehnten unter Verschluss geblieben. Ein Umstand, der ihr Marktfrische garantierte.

Bei einem wertmäßigen Absatz von 66 Prozent spielten die Lose 10,5 Mio. Euro (brutto) ein. Eine Summe, die zeigt, dass die Sammlung so unschätzbar denn doch nicht war, und die vor allem auf die Quantität der mittleren bis niedrigen Zuschläge zurückzuführen ist. Denn einige der Spitzenstücke, die in der Taxe über dem Durchschnitt lagen, fanden keinen Abnehmer. Etwa die monumentale allegorische Marmorgruppe "Zeit, Wahrheit und Lüge" von Michelangelo Naccherino (1550-1622, Schätzwert 350 000/500 000 Euro). Sie ist eines der ganz wenigen nicht zum Export frei gegebenen Kunstwerke.

Unverkauft blieben auch Domenico Guidis (1625-1701) vergoldete Terrakottagruppe "Charitas" (Taxe 200 000/300 000 Euro), das Paar monumentaler Herkules-Steinskulpturen aus dem Umkreis des Künstlers Orazio Marinali (1643-1720, Taxe 150 000/250 000) oder Pompeo Battonis (1708-1787) Gemälde "Madonna mit Kind und Johannesknaben" (100 000/150 000 Euro).

Spitzenreiter wurden mit je 278 750 Euro eine dreieinhalb Meter hohe, spiralförmige Marmorsäule (6. Jh. n. Chr.) und die marmorne Büste eines Bischofs, vermutlich des Heiligen Andreas Corsini, die dem Kreis um Cosimo Fanzago (1591-1678) zugerechnet wird. Beide Stücke fielen an ausländische Privatbieter, während sich der internationale Handel das nächst teuerste Los sicherte: eine Neptun-Figur aus weißem Marmor von Francesco Maria Schiaffino (1688-1763), die mit 228 750 am unteren Rand ihrer Schätzung lag.

www.sothebys.com

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  • Für meine Sammlung wäre ein Stück aus der Romano-Sammlung eine Zierde. Leider sind die Preise deutlich zu hoch und ich glaube nicht, dass solche Preise noch steigen können. Als Anlage eignen sich die Einstiegspreise kaum. Dafür macht die büste des bischofs zu Hause durchaus etwas her

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