Alte Kunst
Kühler Wein in historischem Silber

Seltenes Kunsthandwerk macht bei Neumeister gute Preise. Zu den Gewinnern der Auktion Alte Kunst gehören Emailarbeiten aus Limoges und eine mechanische Uhr.
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MünchenEin silbernes Paar Weinkühler gehörte am 21. September zu den Spitzenlosen der Auktion Alte Kunst beim Münchener Auktionshaus Neumeister. Um 1819 waren die edlen Behälter von Gabriel-Jacques-André Bompart in Paris gefertigt worden. Jetzt hob der Handel die attraktiven Objekte von 2.000 Euro Taxe auf 15.000 Euro Zuschlagspreis. Vor allem das Kunsthandwerk erfreute sich bei Neumeister starker Nachfrage. Es wurde zu knapp 90 Prozent nach Anzahl der Werke verkauft. Aber auch die anderen Sparten kamen nicht zu kurz. Insgesamt wurden 67 Prozent der Losnummern verkauft.

Um herausragende, seltene Stücke fochten die Bieter erbitterte Kämpfe aus. Sie erzielten entsprechend hohe Erlöse. Sehr gut aufgenommen wurden etwa auch drei Emailarbeiten aus Limoges, die alle von einem süddeutschen Sammler erworben wurden. Den höchsten Zuschlag von 24.000 erzielte dabei ein Reliquienschrein in Form einer Dachtruhe im Stil des 13. Jahrhunderts. Der Schätzpreis betrug 6.000 bis 7.000 Euro. Ein Teil der getriebenen Figuren stammen wohl aus dem 13. Jahrhundert. Alle Stücke zeigen das große Können der in Limoges ansässigen Künstler. Sie machten die Stadt einst zu einem blühenden Zentrum für Emailkunst.

Verrückt nach mechanischen Uhren

Chinesen sind verrückt nach mechanischen Uhren. Und so wundert nicht, dass der besonders aufwendig verzierte, wohl aus dem 19. Jahrhundert stammende deutsche Kabinettschrank mit Uhr in den chinesischen Handel wechselt. Der Zuschlag fiel zur unteren Taxe bei 20.000 Euro. Das Möbel, bei dem auch Teile des 17. und 18. Jahrhunderts verarbeitet wurden, besticht durch seinen reichen Dekor mit Glas- und Farbsteinen, Metall-Beschlägen und -Figuren.

Für außergewöhnliche Stücke, wie das Paar kleiner Beistelltische in Form von Mohren, bewilligten Sammler oft ein Zigfaches der Taxe. Die im Stil des 18. Jahrhunderts farbig gefassten, geschnitzten Guéridons spielten 5.000 Euro ein. Geschätzt waren sie auf 1.000 bis 1.200 Euro.

Begehrte Maler des 19. Jahrhunderts

Der höchste Zuschlag bei den neueren Meistern galt einem großformatigen Gemälde des Münchner Malers Johann Michael Wittmer. Auf 8.000 bis 10.000 Euro war das 1859 datierte Bild taxiert. Ein süddeutscher Sammler bewilligte dann 44.000 Euro. Wittmer, Schwiegersohn des in Rom lebenden Malers Joseph Anton Koch, zeigt darauf die Schilderung einer Legende um den Maler Raffael. Es ist die zweite Fassung dieses Themas. Die erste von 1853 befindet sich im Besitz der englischen Familie in Windsor Castle.

Heiß umkämpft war auch das Gemälde „Der Reitertrunk“ von Ferdinand Georg Waldmüller. Es stammt aus der berühmten Schweinfurter Sammlung Dr. Georg Schäfer. Waldmüllers Gemälde greift thematisch darin ein Werk des holländischen Malers Pieter van Laer auf. Bei 24.000 Euro, dem Vierfachen der unteren Taxe, fiel der Hammer zugunsten des deutschen Handels. Noch zu haben ist das Spitzenlos der Sektion „Alte Meister“, eine auf 25.000 bis 28.000 Euro geschätzte „Wildschweinjagd“ von Abraham Hondius.

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