Alte Kunst
Umsatzträchtiges Affentheater

Wieder einmal kann das Dorotheum seine Einnahmen mit Alten Meistern und Malerei des 19. Jahrhunderts steigern. Viele Zuschläge liegen deutlich über den Schätzpreisen. Für Juwelen verzeichnet das Wiener Auktionshaus sogar das beste Ergebnis in seiner Geschichte.
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WienAuf dem Kunstmarkt führten Arbeiten von Gabriel von Max (1840-1915) bislang ein vergleichsweise unbedeutendes Dasein. Daran haben auch Retrospektiven zum Œuvre des zeitweilig an der Münchener Akademie lehrenden Historienmalers im Lenbachhaus (2010) und dem Frye Art Museum in Seattle (2011) nichts geändert. 93 Prozent der in Auktionssälen verzeichneten Zuschläge erfolgen laut Kunstpreisanalyst „Artprice“ zu Werten bis 5.000 Euro. 2014 lag der Umsatz (Hammerpreis) für exakt acht Besitzerwechsel bei rund 41.000 Euro. Am 23. April 2015 konnten die Chronisten des Kunstmarkts insofern eine kleine Sensation notieren.

Das aus einer deutschen Privatsammlung stammende Gemälde mit der Darstellung disputierender Äffchen („Die Gelehrten“) stieß im Dorotheum auf deutlich höheres Interesse als erwartet: In einem zähen Bietgefecht trieben je zwei Saal- und Telefonbieter den Wert deutlich über die angesetzte Taxe von 8.000 bis 12.000 Euro. Der Hammer fiel erst bei 120.000 Euro (149.400 Euro inkl. Aufgeld). Damit konnte der bisherige Künstlerrekord verdreifacht werden. In Punkto Ansteigerung fiel das eher in die Kategorie Überraschung.

Einsatz für ein sinkendes Schiff

Wie zu erwarten erteilte man dagegen den höchsten Zuschlag des Abends für Friedrich Gauermanns dramatisch inszenierten Überfall einer Pferdekutsche vor imposanter Landschaftskulisse. Ein österreichischer Privatsammler sicherte sich das auf 50.000 bis 70.000 Euro geschätzte Bild für 173.800 Euro. Für Ivan Konstantinowich Aiwazowskys miniaturhaftes Bild eines sinkenden Schiffes bewilligte der siegreiche Telefonbieter mit 106.250 Euro gleichfalls deutlich mehr, als die erwarteten 50.000 bis 60.000 Euro.

Am Ende der Sitzung hatten sich die Zuschläge für Gemälde des 19. Jahrhunderts auf stattliche 2,88 Millionen Euro summiert, merklich mehr als die in dieser Sparte im Vorjahr verzeichneten Erlöse, die im Frühjahr 2,16 Millionen Euro und im Herbst 2,5 Millionen Euro betrugen.

Tondo mit frivolem Hintersinn

Den Löwenanteil des Umsatzes in der ersten Auktionswoche (21. bis 23. April) steuerte mit 9,16 Millionen Euro erwartungsgemäß die Sektion Alter Meister bei. Für Frans Pourbos II. Porträt des Prinzen Philipp Wilhelm von Oranien fiel der Hammer erst bei stattlichen 575.516 Euro (inkl. Aufgeld). Erwartet wurden 40.000 bis 60.000 Euro.

Ebenso engagiert eiferten Interessenten um Pieter Brueghel II „Das Paar beim Angeln“, das auf 180.000 bis 200.000 Euro geschätzt war. Die Komposition war laut aktuellem Gutachten des Brueghel-Experten Klaus Ertz bislang nur durch eine Werkstattwiederholung bekannt. Das Tondo mit frivolem Hintersinn wechselte für 552.000 Euro in eine „internationale Sammlung“. Mehr war dem Auktionshaus nicht zu entlocken. Denn seit einiger Zeit werden dort keine Käufernationen mehr kommuniziert und auf explizite Anfrage nur in den seltensten Fällen genannt. Der Diskretion wegen, sagt man. Ab und an wird das Geheimnis dann Monate später über Beiträge im hauseigenen Kundenmagazin „myARTMAGAZINE“ gelüftet.

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Umsatzträchtiges Affentheater

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Rückkkehr in die Albertina

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