Alte Kunst
Verführungskünste einer Haremsdame

Die Versteigerung von Alter Kunst bei Neumeister bringt kleine Überraschungserfolge. Eine Haremsdame und ein Heiliger machen das Rennen. Sammler engagieren sich für Qualität. Als Einlieferer halten sie sich Im Moment jedoch zurück.
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MÜNCHEN. Bei der Auktion "Alte Kunst" bei Neumeister in München am 29.9.2010 bewilligten Sammler für qualitätvolle Werke gute Preise, auch für die von unbekannten Künstlern. Eine verführerisch schöne "Odaliske mit Mohr" des auf dem Auktionsmarkt weitgehend unbekannten italienischen Malers Angiolo Romagnoli avancierte zum Überraschungserfolg der Versteigerung.

Nach einem heftigen Bietgefecht, an dem sich allein 17 Telefonbieter beteiligten, wurde die prächtige, 140 x 250 cm große in Öl gemalte Odaliske von 1879 für 36.500 Euro (ohne Aufgeld) dem deutschen Handel zugeschlagen. Sie ließ die Taxe von 5.500 Euro weit hinter sich. Das Ergebnis der schönen Haremsdienerin ist bezeichnend für die derzeitige Marktsituation. Qualität wird honoriert und die internationalen Händler und Sammler sind bereit, dafür auch tief in die Tasche zu greifen.

Einlieferer machen sich rar

Insgesamt lief die Auktion, die ohne besonders teure Stücke ausgestattet war, im Rahmen der Erwartungen. Geschäftsführerin und Auktionatorin Katrin Stoll beklagt die schwierige Auftragslage was die Einlieferungen betrifft. Das Angebot von Verkäuferseite ist mäßig, attraktive hochpreisige Werke sind "wie vom Erdboden verschluckt".

Insgesamt wurden rund 65 Prozent der Werke nach Anzahl der Objekte zugeschlagen. Es beteiligten sich internationale Händler und Sammler an der Versteigerung, auch die russischen Bieter, um die es in den letzten Monaten deutlich ruhiger geworden war, waren wieder verstärkt aktiv.

Ein Heiligengemälde setzt sich an die Spitze

Der Höchstzuschlag der Auktion wurde in der Altmeisterofferte erzielt. Das Giorgio di Giovanni zugeschriebene Heiligengemälde, das den Heiligen Christophorus flankiert von den Heiligen Sebastian und Rochus zeigt, spielte 38.000 Euro ein. Ein italienischer Bieter setzte sich gegen den internationalen Handel durch (Taxe 25.000). Bislang galt das Werk, das sich unter anderem wohl im 16. Jahrhundert in der Sammlung des Kardinal Aldobrandini in Rom und später im Besitz der Herzöge von Hamilton in Schottland befand, als Werk von Giovanni Antonio Bazzis. gen. Sodoma. Nun wurde es di Giovanni neu zugeschrieben.

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