Alte Kunst
Wertanlage mit ästhetischem Genuss

Gemälde von Alten Meistern und Kunstgewerbe werden derzeit als Wertanlage mit ästhetischem Genuss gern gekauft. Das bewiesen auch die Lempertz-Auktionen am 20. und 21. November, die von steter Nachfrage getragen waren.
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BERLIN. Für Alte Kunst und Kunstgewerbe bleibt der Markt stabil. Das zeigte sich in der Herbstauktion im Kölner Auktionshaus Lempertz am 20. und 21. November. Mit brutto 5,5 Mio. Euro lag sie um 15 Prozent über dem Frühjahrsergebnis. Es gab, wie immer, Ausreißer und Durststecken, die der Geschmackswandlung geschuldet sind. Doch streckenweise - vor allem bei den Altmeistergemälden - hatte man den Eindruck, als ob das alte Gesetz der Selektion außer Kraft gesetzt sei. Hier hatten die insgesamt moderaten Schätzpreise den Boden für einen erstaunlich lückenlosen Absatz selbst der namenlosen kleinmeisterlichen Gemischtware bereitet. Altdeutsche Gemälde waren diesmal unterrepräsentiert. Dafür wird Lempertz im kommenden Frühjahr die 35 hochkarätige Tafelbilder umfassende Sammlung Steinmetz unter den Hammer bringen.

Teuerstes Los der Bilderparade wurde verdientermaßen Giovanni Battista Tiepolos Entwurf für das Deckengemälde "Die Einsetzung des Rosenkranes in der venezianischen Dominikanerkirche "Gesuati". Das auf 120 000 Euro taxierte Ölbild im Format 74 x 34,5 cm wurde mit 80 000 Euro ausgerufen und nach einem deutsch-schweizerischen Bietgefecht für 380 000 Euro (brutto 466 000 Euro) einem deutschen Privatsammler zugeschlagen. Das zweitteuerste Gemälde der Auktion wurde mit 205 000 Euro netto (Taxe bis 120 000) durch belgisches Privatgebot eine zechende und musizierende "Gesellschaft im Freien", die dem belgischen Porträtmaler Frans Pourbus d.Ä. zugeschrieben war.

Ein britischer Sammler engagierte sich mit 200 000 Euro (Taxe 100/140 000) für Jacob Jordaens? Ölbild zweier Apostelköpfe. Von 30 000 auf 60 000 Euro steigerte Londoner Handel gegen italienische Telefongebote die der Forschung bislang unbekannt gebliebene Allegorie "Der Verdienst krönt die Tugend" des venezianischen Barockmalers Giovanni Antonio Pellegrini.

Furiose Seeschlacht war günstig zu haben

Auch zwei wenig attraktive, trotz ihrer malerischen Schwächen mit Ertz-Gutachten aufgewertete Täfelchen Jan Brueghel-Täfelchen fanden ihre Käufer: ein belgischer Sammler investierte in die Miniatur "Schloss Mariemont mit Erzherzog Albrecht und Isabella" des älteren Brueghel 130 000 Euro und ein russischer Sammler, der wenig später auch eine routinierte Flusslandschaft von Salomon van Ruysdael für 66 000 Euro übernahm, setzte für eine Parklandschaft des Jüngeren mit Figurenstaffage des Pieter van Avont 46 000 Euro ein. Für 50



000 Euro ging das früheste Gemälde des älteren Jan Brueghel, die Kupfertafel mit Diana und Aktäon, in eine deutsche Privatsammlung. Wohlfeilstes Qualitätsbild der Auktion war mit 14 000 Euro eine furiose Seeschlacht zwischen Christen und Osmanen des Amsterdamer Italianisanten Johannes Lingelbach.

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