Alte Meister
30 Millionen Pfund für eine Kohlezeichnung

Die Zeichnung „Verklärung Christi“ diente Altmeister Raffael bloß als Detailstudie, zuletzt erzielte das Bild bei Sotheby's einen Preis von knapp 30 Millionen Pfund. Qualität triumphiert bei den Londoner Auktionen.
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LondonNach einer epischen Bieterschlacht von 17 Minuten wurde bei Sotheby's am Mittwochabend eine Kohlezeichnung Raffaels für 29, 7 Millionen Pfund (36,6 Millionen Euro) versteigert - der höchste Auktionspreis für Alte Kunst seit dem vor zehn Jahren für 50 Millionen Pfund verkauften Gemälde "Kindermord" von Peter Paul Rubens. Der Preis schlug knapp die 29,2 Millionen Pfund, die der US-Finanzier Leon Black 2009 bei Christie's für Raffaels "Kopf einer Muse" geboten hatte.

Die Auktion bewies, dass Geld keine Rolle spielt, wenn die Leidenschaft für exzeptionelle Werke übernimmt. Auf die Frage, ob ein solcher Preis gerechtfertigt sei, sagte einer der Bieter, der Londoner Händler Lucca Baroni, sichtlich erschöpft von der Anspannung: "Es ist der Preis, den drei Bieter festsetzten, die bis auf diese Höhe boten." Geschätzt waren zehn bis 15 Millionen Pfund.

Erst meldete sich ein durch den amerikanischen Sotheby's Experten George Wachter vertretener Bieter, dann Baroni. Als Wachter bei 18 Millionen Pfund absprang, griff Baronis früherer Mitarbeiter Stephen Ongpin ein, der ebenfalls am Telefon Anweisungen entgegennahm. Beide fochten es mit einem Sammler aus, der über die Sotheby's Mitarbeiterin Natasha Mendelsohn verbunden war, die in der Vergangenheit oft für russische Bieter aktiv war. Sie telefonierte aus jener Ecke der Telefonreihe, in der an diesem Abend viel Russisch gesprochen wurde: Überbordendes russisches Kaufinteresse dürfte für einige der höchsten Preise an diesem Abend verantwortlich gewesen sein.

Die Einlieferung aus dem Familiensitz der Herzöge von Devonshire, Chatsworth, ist eine Arbeitszeichnung für Raffaels letztes Gemälde, die 1519 entstandene "Verklärung Christi" im Vatikan. Mit dramatischer Prägnanz und Licht und Schattenwirkungen deutet der am lebenden Modell gezeichnete Kopf auf die Barockmalerei voraus.

Der Zuschlag macht weit über die Hälfte von Sotheby's Abendumsatz aus. Die Auktion zeigte den Altmeistermarkt auf höchstem Niveau, aber auch, wie wählerisch und geschmackssicher die Sammler inzwischen sind. 58 Millionen Pfund wurden eingenommen, ein Viertel der Lose ging zurück. Es war ein glänzendes Ergebnis, vergleicht man mit Christie's Auktion vom Vorabend, wo eine Handvoll Gemälde bestens verkauft wurde, aber die Hälfte der Bilder nicht attraktiv und marktfrisch genug waren und zurückgingen. Mit 11,5 Millionen Pfund war es die schwächste Altmeister Abendauktion seit 2004.

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