Alte Meister
Dekoratives bleibt gesucht

Tierdarstellungen, Orientalisten und Stadtansichten laufen gut bei Christie’s Auktion in New York. Die Zusammenlegung der Alten Meister und der Malerei des 19. Jahrhunderts wird aber immernoch kritisiert.

New YorkHändler rümpfen noch immer die Nase über Christie’s Entscheidung, Alte Meister gemeinsam mit Malerei des 19. Jahrhunderts anzubieten. „Das sind einfach verschiedene Geschmäcker, die vertragen sich nicht“, sagt einer.

Aber in Christie’s schwach besetzter Auktion, die unter der Mindesterwartung (39,5 Millionen Dollar) endete, kam das 19. Jahrhundert relativ glimpflich davon. „Anders als bei Altmeistern ist hier der Nachschub kein Problem“, sagt Christie’s-Spezialistin Georgina Wilsenach. „Aber der Markt für das 19. Jahrhundert ist wankelmütig, unterliegt starken Trends. Da heißt es, genau aufpassen.“

Orientthemen sehen weiterhin starke Nachfrage. Jean-Léon Gérôme malte die kleine Studie des schwarzen Soldaten Bashi-Bazouk als „Meister der Hunde“ (1871) auf einer Türkeireise. Eine Saalbieterin bewilligte 1,7 Millionen Dollar. Die Taxe hatte bei 700 000 bis eine Million Dollar gelegen. „Das Bild ist jeden Pfennig wert“, bestätigte ein Kenner.

Eine züchtige Venusdarstellung erbringt den dreifachen Preis ihrer Schätzung

Auch Dekoratives ging gut. Auf Jagdstillleben und die Zusammenstellung von einheimischen und exotischen Vögeln spezialisierte sich der niederländische Tiermaler Melchior de Hondecoeter. Um ein großes Gemälde (Taxe bis 600000 Dollar) mit zwei Pfauen stritt sich ein russischer Sammler bis zu 1,7 Millionen Dollar. Damit verdoppelte er den erst im Dezember gesetzten Rekord. Auch zwei spielende Leoparden mit wunderbar detailliert gemaltem Fell des Tiermalers William Huggens animierten zum neuen Bestpreis von 458500 Dollar. Geschätzt waren nur 80000 bis 120000 Dollar.

Überpreiste Kunst indes tat sich schwer. Das Toplos, eine der von Luca Carlevarijs häufig gemalten Venedig-Ansichten mit buntem Treiben vor dem Dogenpalast (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen Dollar), war im März vergeblich auf der Tefaf angeboten worden. Christie’s hatte mehr Glück und konnte das Panorama dem einzigen Bewerber, einem Telefonbieter, für vier Millionen Dollar zuschlagen.

Zustandsprobleme bremsten die Erntelandschaft von Joos de Momper und Jan Breughel d. J. aus (erwartet 1,8 bis 2,2 Millionen Dollar). Unter schlechter Erhaltung litt auch das erst vor einer Woche vom Zimmerli Museum in New Brunswick, NJ, an die Erben des Bankiers Friedrich Gutmann restituierte frühe Männerporträt des sehr seltenen Hans Baldung Grien (1509). Mit stark abgeriebenem Hintergrund brachte es nur 218 500 Dollar ein. In gutem Zustand wäre es etwa das Zehnfache wert.

Zu den positiven Überraschungen zählte der Römer Pompeo Batoni, der sich auf oft aufwendige Porträts von jungen Aristokraten auf der Grand Tour spezialisierte. Das schlichte Dreiviertelporträt des Briten Thomas Fortescue im grünen Mantel (1767) kletterte dank starker Konkurrenz auf 722500 Dollar. Eines von Batonis selteneren mythologischen Themen, eine züchtig bekleidete Venus mit Cupido (Handelsblatt vom 14.1.), verdreifachte bei 1,8 Millionen Dollar seine Schätzung. Auch Jean-Honoré Fragonard überraschte mit einem ungewöhnlichen Werk. Er ist eigentlich der Inbegriff leichten Rokoko-Vergnügens. Christie’s bot aber einen seiner seltenen Männerköpfe an, in denen er gekonnt die Malweise seines Vorbildes Rembrandts imitierte. Der in starken Hell-Dunkel-Kontrasten gehaltene Bärtige erzielte unerwartete 1,4 Millionen Dollar.

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