Alte Meister
Heiße Bietgefechte stehen ins Haus

Das Kölner Auktionshaus Lempertz versteigert im Mai außergewöhnliche Altmeistergemälde aus deutschem Privatbesitz.
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BerlinDas Kölner Kunsthaus Lempertz kann seinen Anspruch, Deutschlands führendes Auktionshaus für Altmeistergemälde zu sein, wieder glänzend untermauern. Am 12. Mai werden in der Auktion „Alte Kunst“ rund 60 Gemälde aus Familienbesitz ausgeboten, die das Paradebeispiel einer in den 1970er-Jahren aufgebauten deutschen Altmeister-Sammlung sind. Es handelt sich mit Ausnahme einer späten Hirtenszene von François Boucher ausnahmslos um Werke der niederländischen Malerschulen des 17. Jahrhunderts. Sie spielten in der Sammeltradition der Bundesrepublik von der Wirtschaftswunderära bis in die 1990er-Jahre eine Hauptrolle. Die hier offerierten Werke wurden im internationalen Handel gekauft.

Museales Hauptlos der Auktion ist Gerard Dous „Bildnis eines Malers“, ein exzellentes Beispiel der Leidener Feinmalerei um 1650. Der Maler in seiner Werkstatt, umgeben von den Attributen seiner Malerei, die in Stillleben, Genrestücken und Historienbildern immer wieder neu Verwendung finden: das ist ein Hauptthema des Dou'schen Œuvres, das er mit Rembrandt teilt, in dessen Werkstatt er 1628 eingetreten war.

Das Tafelbild im Format 68 x 54 cm kommt ursprünglich aus der Wittelsbacher Sammlung und war bis in den 1930er-Jahren in der Alten Pinakothek München. In dieser Periode verkaufte das Museum einige wichtige Bilder, vor allem aus dem Bestand der italienischen Schule. Der Dou ist jetzt mit 1,5 bis zwei Millionen marktgerecht geschätzt. Er wurde im Juli 1973 bei Sotheby's für umgerechnet 120.000 DM versteigert und erschien im Herbstkatalog 1981 der Wiener Galerie Sanct Lucas für 300.000 DM. Wie sehr die Preise für herausragende Dou-Gemälde explodiert sind, zeigen die 5,3 Millionen Dollar, die im Januar 2011 die „Alte Frau am Spinnrad“ aus der Sammlung Doll bei Sotheby's erzielt hat. Das Gemälde war 1979 in der Londoner Galerie Alfred Brod mit 110.000 Pfund (damals knapp 700.000 DM) beziffert.

Die Schätzpreise für die herausragenden Gemälde dieser Auktion sind betont realistisch. Das hat ihnen sicherlich die Akquisition durch das Kölner Traditionshaus gegen die vollmundig agierende ausländische Konkurrenz erleichtert.

So ist eines der klassischen „Eisvergnügen“ des „Stummen von Kampen“ Hendrick Avercamp mit einer Taxe von 600.000 bis 800.000 Euro bedacht. So sind zwei große charakteristische Genreszenen des Leidener Sittenbild-Protagonisten Jan Steen auf 200.000 bis 400.000 Euro angesetzt.

Die niedrigere Taxe von 250.000 bis 300.000 Euro hat das dynamische „Gelage vor dem Rasthof Zum Elefanten“, die höhere von 300.000 bis 400.000 gilt einem figurenreichen Interieur mit der „Ankunft der Braut“. Beide Bilder waren 1972 und 1982 in der Londoner Galerie Alfred Brod, wo die Gartenszene für 22.000 angeboten wurde und das Interieur für 74.250 Pfund. Salomon van Ruisdaels baumreiche Flusslandschaft „Kühe an der Tränke“ ist jetzt mit 130.000 bis 160.000 Euro zurückhaltend geschätzt. 1976 kostete sie bei Julia Kraus in Paris 200.000 DM.

Philips Wouwermans Panoramabild „Aufbruch zur Falkenjagd“ ist mit 200.000 bis 250.000 Euro ebenfalls dezent dotiert. Es war 1975 bei David Koetser, Zürich, für umgerechnet 175.000 DM zu haben.

Auf maximal 300.000 Euro ist ein Amsterdamer Grachtenbild von Jan van der Heyden taxiert, desgleichen zwei frühe von Esaias van de Velde beeinflusste starkfarbige Rundbilder Jan van Goyens. Zwei auf Kupfer gemalte, mit Früchten und Kriechtieren bestückte Blumenstillleben Georg Flegels sind mit 150.000 bis 200.000 Euro als Paar extrem niedrig geschätzt. Das gilt auch für François Bouchers 1760 datiertes Gemälde „Junges Mädchen beim Hühnerfüttern“, das eine Höchsttaxe von 300.000 Euro hat. Um die Hauptlose dürfte sich der Londoner Handel Bietgefechte liefern.

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