Alte Meister
Holländische Händler im Clinch

Spannende Bietgefechte bringen Leben in Ketterers Altmeisterauktion. Holländische Händler und polnische Sammler streiten um Bilder aus der eigenen Heimat. Insgesamt kann der Münchner Versteigerer jedoch nur knapp die Hälfte der Lose verkaufen.
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MünchenPolnische Sammler sind zu hohen Einsätzen bereit, wenn es um Künstler aus der eigenen Heimat geht. Das erlebte Firmeninhaber Robert Ketterer am 24. Mai 2014 in seiner Auktion „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“. Mehr als ein halbes Dutzend Telefonleitungen wurden gen Warschau geschaltet, als Alfred von Wierusz-Kowalskis großformatige „Glückliche Kutschfahrt“ von 1890/1900 aufgerufen wurde. Erst bei 65.000 Euro (inkl. Aufgeld) endete das Bietgefecht. Die Taxe wurde fast verdreifacht. Einen Preissprung von 4.000  auf 14.000 Euro bescherten Sammler aus dem östlichen Nachbarland auch Waldemar Los´ Gemälde „Zwei Kosaken zu Pferde“ von 1883. Los war schon zu Lebzeiten in Krakau, Lemberg und Warschau ein gefragter Künstler.

Die Überraschung des Nachmittags war eine postkartengroße Zeichnung mit Interieurdarstellung. Das Blatt von ca. 1670 war dem flämischen Altmeister Franz van Mieris d. Ä. zugeschrieben und auf 400 Euro geschätzt. Zwei holländische Händler hatten offensichtlich nicht den geringsten Zweifel an der Authentizität des kleinen Blattes. Der Zuschlag erfolgte erst bei 83.000 Euro (inkl. Aufgeld) zugunsten des Händlers, der im Saal saß. Ein zweites Mal konkurrierten die beiden Händler um eine günstig angesetzte, flämische Darstellung einer Schiffsflotte. Für 76.000 Euro (inkl. Aufgeld) nahm der Käufer der Zeichnung auch die Holztafel von ca. 1600 mit.

Flegels Stillleben floppt

Internationale Bieter brachten des Öfteren Bewegung in die Versteigerung. Für 26.000 Euro (inkl. Aufgeld ) sicherte sich ein Sammler aus der italienischen Schweiz das Renaissance-Gemälde „Heilige Familie mit Johannisknabe“, das der Sodoma-Schule zugeordnet ist. Das italienische „Porträt eines Orientalen“ aus dem 17. Jahrhundert ging bei 18.750 Euro (inkl. Aufgeld) für mehr als das Dreifache des Rufpreises in sein Entstehungsland zurück. Das Hauptlos unter den Altmeistern, Georg Flegels „Stillleben mit Blumenstrauss und Glaspokal“,  wurde zur unteren Taxe von 90.000 Euro erneut vom Markt verschmäht.

Wie bei den Altmeistern wurden auch beim 19. Jahrhundert nur das ästhetisch Reizvolle und hohe Qualität honoriert. So etwas wie Heimvorteil spielte ganz offenbar eine Rolle bei den investierten 55.000 Euro (inkl. Aufgeld) für Franz von Defreggers süddeutsch geprägte Genreszene „Die Werbung“. Womit die sogenannte Münchner Schule wirklich reizt, verdeutlicht Joseph Wopfners „Chiemseespiegel“ von 1887. Das stimmungsvolle Gemälde mit den sich auflösenden Umrissen kletterte von 5.000 Euro auf 15.000 Euro (inkl. Aufgeld).

Stark umkämpft war Carl Blechens mit 3.000 Euro bewertete Lithographie „Mühle bei Amalfi“ von 1830. Gegen Bieter aus Großbritannien und den deutschen Handel setzte sich erst bei 32.000 Euro (inkl. Aufgeld) ein Sammler aus dem Taunus durch. In die von Anton Joseph Kochs heroischen Landschaften beeinflusste „Campagnalandschaft mit befestigter Stadt“ (1830) von Ferdinand Olivier investierte süddeutscher Handel 39.000 Euro (inkl. Aufgeld).

Trotz zahlreicher guter bis erstaunlicher Steigerungen konnte Ketterer nicht einmal ganz 50 Prozent der 269 aufgerufenen Lose absetzen. Der Gesamtumsatz von knapp einer Million Euro liegt gut 20 Prozent unter dem Ergebnis der letzten Auktion mit alter Kunst.

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