Alte Meister: "Sehr, sehr wunderbar neben zeitgenössischer Kunst"

Alte Meister
"Sehr, sehr wunderbar neben zeitgenössischer Kunst"

Christie’s bewirbt seine Altmeisterauktion mit Händler- und Sammleräußerungen auf Video. Sotheby’s lockt mit Material aus Adelsbesitz.
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New YorkVerpackung wird auch bei Alten Meistern immer wichtiger. Christie’s möchte den Erfolg des „Renaissance“-Katalogs vom letzten Januar wiederholen und bietet am 29. Januar 2014 wieder 74 hauptsachlich frühe Werke unter diesem Titel an. Zusätzlich werden Händler und Sammler in kurzen Videoclips auf Christie’s Website für den Absatz eingespannt. Da outet sich etwa Chelsea-Galerist David Zwirner als Besitzer von zwei Renassance-Bildern und schlägt den Bogen zur zeitgenössischen Kunst. Bei Museumsbesuchen mit seinen Künstlern „wurde mir klar, wie wichtig die Renaissance für sie ist“, sagt er. „Die Bilder behaupten sich auch sehr, sehr wunderbar neben zeitgenössischer Kunst“.

Eine Kunstberaterin wiederum appelliert an ihre Landsleute in russischer Sprache: Die frühen Renaissancebilder auf Goldgrund erinnerten durchaus an russische Ikonen. Höhepunkt des „Renaissance“-Katalogs ist das Starlos der Woche, das sogenannte „Rothschild Gebetbuch“, ein um 1505 bis 1510 in Brügge oder Gent reich verziertes, handgeschriebenes Gebetbuch aus der Spätzeit der Stundenbücher. Neben 67 ganzseitigen, mit feinstem Pinsel gemalten Illustrationen, zieren farbige Bordüren aus delikaten gemalten Blüten, Stoffen oder Schmucksteinen die 252 Pergamentblätter. Die Maler sind unbekannt, aber die Forschung schreibt einige Miniaturen Alexander Bening zu, auch als „Meister des Älteren Gebetbuchs Maximilian I“ bekannt.

Lichtreflexe auf der Haut

Der einflussreiche Niederländer Gerard David soll für die liebliche „Madonna mit Kind auf der Mondsichel“ verantwortlich sein. Das Manuskript machte bereits 1999 Schlagzeilen, als Christie’s in London die riesige, vom Staat Österreich restituierte Sammlung Nathaniel und Alphonse von Rothschild versteigerte. Ein europäischer Sammler zahlte damals für das in roten Samt mit Silberbeschlägen und Wittelsbacher-Wappen gebundene Gebetbuch 8,6 Millionen Pfund (heute 13,4 Millionen Dollar brutto). Jetzt erwartet Christie’s 12 bis 18 Millionen Dollar netto.

Titellos in Christie’s Hauptkatalog ist das schöne Selbstporträt der Malerin Artemisia Gentileschi als Lautenspielerin (1615-17). Es befand sich bis mindestens 1683 in der Sammlung Medici. Virtuos schildert sie die Lichtreflexe auf ihrer Haut. Vor knapp 16 Jahren wurde es zuletzt zu 380.000 Pfund zugeschlagen; nun steht die Taxe bei 3 bis 5 Millionen Dollar. Aber Bilder der begabten Caravaggistin, die es zur berühmtesten Malerin des 17. Jahrhunderts brachte, kommen auch äußerst selten auf den Markt.

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