Alte Meister
Stabile Preise im schwierigen Markt

Bei Sotheby’s schlagen die Käufer bei den Alten Meistern kräftig zu. Konkurrent Christie’s bleibt dagegen auf etlichen Gemälden sitzen. Gestandene Marktteilnehmer machen eine neue Strategie für das schlechtere Ergebnis mitverantwortlich.
  • 0

NEW YORK. Zu Beginn der Versteigerung Alter Meister am vergangenen Donnerstag in New York überraschte Sotheby’s mit der Meldung, dass eine der Attraktionen, Rembrandts Porträt einer jungen Frau mit Barett, zurückgezogen worden sei. Der Einlieferer habe es sich anders überlegt. Das dürfte ihn – je nach Vertrag – eine saftige Strafe kosten: Für das Bild waren mindestens acht Mio. Dollar erwartet worden. Aber, so kommentierte ein Händler humorvoll, nun sei dieses Geld eben für andere Käufe frei. Und gekauft wurde kräftig. Vor allem der internationale Handel deckte sich ein.

Auch für Hendrik Goltzius’ Großformat mit dem Akt der schlafenden Antiope und Jupiter in Gestalt eines Satyrs wurden acht bis zwölf Mio. Dollar erwartet. Der einzige Bieter, angeblich ein europäischer Sammler, ergatterte das kürzlich restituierte Werk bereits zu 6,8 Mio. Dollar. Dagegen hob ein anonymer Telefonbewerber Anthony van Dycks frühe, rasch gemalte Studie mit zwei Ansichten eines Männerkopfes bei 7,25 Mio. Dollar über die bereits ehrgeizige Schätzung. Ebenfalls nach Europa wird Francisco de Zurbaráns lebensgroße Heilige Dorothea in dunkelrotem Kleid zu 4,2 (drei bis vier) Mio. Dollar reisen.

Erstaunliche Preise

Unter den 16 Bildern, die das Los Angeles County Museum of Art zugunsten des Ankaufsetats eingeliefert hatte, interessierte vor allem das höfische Männerporträt des Augsburger Malers Christoph Amberger von 1541. Wahrscheinlich handelt es sich beim Dargestellten um Hans Jakob Fugger. Um das nicht in allerbestem Zustand erhaltene Werk bewarb sich der Münchner Händler Bruce Livie vernünftig bis zu 650 000 Dollar. Der Hammer knallte jedoch erst bei 1,2 (0,2 bis 0,3) Mio. Dollar nieder.

Mit 3,9 Mio. Dollar bewilligte der Londoner Spitzenhändler Jean-Luc Baroni auch mehr als das Doppelte der Taxe für Canalettos skizzenhafte Ansichten von Venedigs „Piazzetta“ und „Dogana“. Leicht hängte Kollege Jonathan Greene die Konkurrenz um Salomon van Ruysdaels Flusslandschaft mit der Stadt Weesp bei 3,3 (0,8 bis eine) Mio. Dollar ab.

Mit besonderer Spannung wurde der Aufruf des Damenporträts nach Leonardo da Vinci erwartet, von dem seit 1920 behauptet wird, es sei ein Werk des Meisters. Trotz der nun wissenschaftlich gestützten späteren Datierung hielt es vier Bieter in Atem. Ein amerikanischer Sammler hob die nicht zimperliche Taxe von 300 000 bis 500 000 Dollar gleich auf erstaunliche 1,5 Mio. Dollar. Die außergewöhnliche Qualität und ebenso gewichtige Provenienz der österreichischen Elfenbeingruppe „Pluto und Proserpina“ (um 1700) rechtfertigten für den New Yorker Händler Anthony Blumka die Auslage von 1,2 Mio. (120 000 bis 150 000) Dollar.

Bereits einen Tag zuvor glänzten in Christie’s sehr durchwachsenem Angebot nur wenige Stars. Der Londoner Handel Hazlitt Gooden & Fox bewilligte im Auftrag des J. Paul Getty Museums 4,6 (drei bis fünf ) Mio. Dollar für Louis Leopold Boillys Gemälde „Jardin Turc“ (1812). Denselben Preis hatte der Einlieferer James Fairfax vor knapp 20 Jahren im Handel gezahlt. „Es ist wohl das beste Bild des Künstlers“, urteilt das Museum.

Ein zähes Gefecht, an dem sich kurz auch der Münchner Händler Konrad Bernheimer beteiligte, entbrannte um das neuerdings Gaetano Gandolfi zugewiesene reich bevölkerte Rokokobild „Diana und Callisto“ (1770). Der Zuschlag erfolgte erst bei sehr hoch gegriffenen 4,1 (0,8 bis 1,2) Mio. Dollar. Noch vor Kurzem hatte das Bild unerkannt in einem Seniorenheim in South Carolina gehangen.

Kombination bei Christie’s verwirrt

Lucas Cranach d. Ä. ungewöhnliches Gelage um ein Weinfass scheiterte an Zustandsproblemen. Ohne ein einziges Gebot kehrte das auf 2,5 bis 3,5 Mio. Dollar geschätzte Bild zurück zum Einlieferer in San Francisco, einem Importeur für deutschen Wein.

Gestandene Marktteilnehmer machen eine neue Strategie von Christie’s für das schlechtere Ergebnis mitverantwortlich. Das Haus vereinte Alte Meister, 19. Jahrhundert und Zeichnungen in einer Abteilung, die „Crossover“-Käufer gewinnen soll, aber offenbar viele alte Kunden irritiert.

Wertanlage

Stabile Preise: Selbst im aktuell schwierigen Markt blieben Preise für Alte Meister stabil. Das Gebiet entwickelte sich zu einer zunehmend attraktiven Wertanlage. Auch ohne spektakuläre Ausreißerzuschläge brachten die wichtigen New Yorker Auktionen vom 27. bis 29. Januar solide 115,05 Mio. Dollar für 598 Zuschläge ein.

Absatzplus: Marktführer Sotheby’s sicherte sich mit 74,5 Mio. Dollar den Löwenanteil. Christie’s blieb mit 40,85 Mo. Dollar für 210 Verkäufe hinter den eigenen Erwartungen zurück. Dafür sei allein das schwache Angebot verantwortlich, sagen Marktteilnehmer. Gefragt ist nur großartige Qualität, auf zu hohe Schätzpreise reagieren Bieter sehr empfindlich. Im Vergleich zum Januar 2009 verbesserten beide Häuser ihre Absatzzahlen.

Kommentare zu " Alte Meister: Stabile Preise im schwierigen Markt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%