Alte Meister: Trophäen bestimmen den Markt

Alte Meister
Trophäen bestimmen den Markt

Die New Yorker Versteigerer melden erste Erfolge für ihre Altmeister-Auktionen. Besonders rege Bietgefechte entbrennen um die Werke aus zwei Privatsammlungen. Aus der Dürer-Passage erzielen nur die bekanntesten Motive hohe Preise. Auch die Renaissancekunst trifft auf ein wählerisches Publikum.
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New YorkZwei gut bebotene europäische Privatsammlungen lieferten den erfolgreichen Start für die Altmeisterwoche in New York. Ausgeboten wurde das sehr umfangreiche Angebot vom 29. Januar bis 1. Februar. 62 Dürer-Graphiken des Schweizer Sammlers Samuel Josefowitz erreichten am 29. Januar bei Christie’s mit eingehämmerten 6 Millionen Dollar das obere Ende der Erwartung. Gute Zuschläge gab es aber nur für die bekanntesten Motive. Regen Wettbewerb sah der charmante Holzschnitt „Rhinozeros“ (1511) aus der ersten Auflage (von acht). Der Holzschnitt schildert das bewegte Schicksal eines Panzernashorns, das von Indien nach Lissabon verschifft wurde. Sein Ergebnis hebt den Dürer-Rekord auf 866.500 Dollar. Dürers größter und sehr detailreicher Kupferstich „St. Eustachius“ (um 1501) mit Chatsworth-Provenienz kostete dagegen nur 722.500 Dollar. Auf ihn bot eine Privathändlerin am Telefon für eine amerikanische Sammlung.

Bietgefecht um französische Impressionistin

Sotheby’s überraschte am selben Abend die angereisten Käufer mit dem Nachlass des 2007 verstorbenen Händlers Giancarlo Baroni. Er sammelte nicht nur sein Spezialgebiet, Gemälde und Zeichnungen des venezianischen 18. Jahrhunderts, sondern auch Degas und den Modemaler der Belle Epoque, Giovanni Boldini. Die Preise waren moderat angesetzt;  sämtliche Toplose gingen an Privatleute.

Besonders gut schnitt die zu ihren Lebzeiten sehr bekannte französische Impressionistin und Manet-Schülerin Eva Gonzalèz ab. Selbst eingeschworene Altmeister-Sammler bewarben sich um ihr Pastellporträt. Das in Rosatönen gemalte Bildnis der „La Demoiselle d’Honneur‘  (1879) erzielte 2,54 Millionen Dollar. Unter den stets beliebten Veduten erzielte Bernardo Bellottos Venedigansicht mit Palazzo Duccale und Südseite der Piazzetta 1,25 Millionen Dollar.

Rockefeller-Madonna endlich verkauft

Christie’s „Renaissance“-Katalog, für den die Experten über ein Jahr lang Gemälde, Graphik und Kunstgewerbe zusammengetragen hatten, wurde am 30. Januar nur zu 65 Prozent verkauft. Er überraschte aber mit einigen hohen Zuschlägen. Endlich platziert werden konnte die so genannte Rockefeller-Madonna Botticellis. Die auf 5 bis 7 Millionen Dollar taxierte „Madonna mit dem Kind und dem Johannesknaben“ stand auf der letzten Tefaf in Maastricht noch für 15 Millionen zum Verkauf. Für 10,4 Millionen Dollar wechselte sie nun den Besitzer. Für das etwa zeitgleich entstandene liebliche Tondo Fra Bartolomeos zahlte eine entschiedene Telefonbieterin sogar fast 13 Millionen Dollar. Das Rundbild der „Madonna und Kind“ (um 1490) besitzt noch seinen originalen Rahmen.

Am nächsten Tag setzte sich bei Sotheby’s das dramatische Meisterwerk „Susanna und die beiden Alten“ an die Spitze. Gemalt wurde es 1751 von Roms führendem Maler Pompeo Batoni. Das Bild aus dem Besitz der Grafen von Harrach kam auf 11,4 Millionen Dollar. Händler sind sich einig:  Trophäen bestimmen derzeit den Markt. Sotheby’s wird die Auktionsserie am 1. Februar abschließen.

Annika Reinert
Barbara Kutscher
Handelsblatt New York / U.S. Correspondent Arts and Art Market

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