Alte und Neue Meister
Kranker Dackel verleitet zu hohem Gebot

Biedermeierliche Feinmalerei mit Alpencharme ist bei süddeutschen Sammlern nach wie vor gefragt. Davon zeugen die beachtlichen Zuschläge für Gemälde von Karl Altmann und Franz von Defregger im Münchener Auktionshaus Ketterer.
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MünchenUnscheinbares kann groß rauskommen. Das zeigte Ketterers Auktion „Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts“ vom 22 Mai 2015. Auf nur 800 Euro hatte der Münchner Versteigerer die Figurenstudie eines älteren Herrn in biedermeierlicher Kleidung und mit einem Weinglas in der Hand bewertet. Kenner der Kunst aus dem Dunstkreis des Bayernkönigs Ludwig I. waren überzeugt: Das ist der Hofarchitekt Leo von Klenze.

In leicht veränderter Pose hat Franz Ludwig Catel den Architekten auf dem berühmten Gemälde „Kronprinz Ludwig in der spanischen Weinschänke zu Rom“ 1824 verewigt. Acht Telefonbieter und viele Interessenten vor Ort gingen in Position. Ein bayerischer Händler im Saal bot sofort 4.000 Euro. Aber erst bei 27.000 Euro fiel der Hammer. Mit Aufgeld übernahm die etwa A-5-große Ölskizze für knapp 34.000 Euro der deutsche Handel.

Seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt

Ganz so extreme Steigerungen wie diese konnte Ketterer bei seinen Hauptlosen nicht verzeichnen. Aber süddeutsche Sammler schätzen nach wie vor die biedermeierliche Genre- und Feinmalerei mit regionalem Bezug und die „Säulenheiligen“ der sogenannten Münchener Schule. Karl Altmanns mit 30.000 bis 40.000 Euro bewertetes Gemälde „St. Leonhardsfest in Fischhausen am Schliersee“ von 1832 ersteigerte für 57.500 Euro (inkl. Aufgeld) ein süddeutscher Sammler. Franz von Defreggers „Großvaters Tanzunterricht“ von 1872, das zur Taxe von 40.000 Euro aufgerufen wurde, erwarb für denselben Bruttoerlös ein junges Ehepaar.

Die deftige „Rauferei vor einem Wirtshaus“ von Heinrich Bürkel (ca. 1850) kletterte von geschätzten 18.000 auf 33.750 Euro (inkl. Aufgeld). Sie stammten alle aus der Sammlung des ehemaligen Direktors der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank Max Geigers und waren teilweise seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt.

Entenbild avanciert zum Top-Los

Das teuerste der 360 aufgerufenen Lose wurde Alexander Koesters „Erpel mit Enten und Küken am Seeufer“. Das aus Kiewer Familienbesitz stammende Gemälde schoss von taxierten 20.000 auf 106.000 Euro (inkl. Aufgeld). Auch Johann Georg von Dillis´ „Baumlandschaft mit Hütten“ weckte Begehrlichkeit. Die bei 8.000 Euro aufgerufenen Ölskizze wurde erst bei 19.000 Euro (inkl. Aufgeld ) dem deutschen Handel zugeschlagen.

Von der immer noch anhaltenden Nachfrage nach Italienmotiven zeugen die 4.500 Euro (inkl. Aufgeld) für eine kleine Taormina-Ansicht von Carl Wuttke aus dem 1880er-Jahren. Ihr Schätzpreis lag bei 1000 Euro.

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Begehrte Theresa Alma-Tadema

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