Altmeister
Renaissance des Figurenbilds

In London wurden einige der teuersten Altmeistergemälde der Auktionsgeschichte verkauft. Ein erstaunliches Comeback feierte auch die Malerei der Renaissance. Dutzendware fand dagegen keine Abnehmer.

LondonKurz sah es so aus, als würde keiner anbeißen. Für Francesco Guardis monumentale Ansicht der Rialto-Brücke, die am 6. Juli bei Sotheby's in London ausgeboten wurde, interessierte sich anfangs nur ein einziger anonymer Telefonbieter. Bei 15 Millionen Pfund meldete sich ein zweiter. Als der Bietkampf zwischen ihnen beendet war, kostete das Bild inklusive der Kaufgebühren 26,7 Millionen Pfund oder 30 Millionen Euro. Es ist nun das zweitteuerste Altmeisterbild der Auktionsgeschichte, nachdem Peter Paul Rubens' "Kindermord" 2002 auf 50 Millionen Pfund kam.

Sotheby's hatte für die stimmungsvolle Venedig-Ansicht aus der Guiness-Familie 15 bis 25 Millionen Pfund geschätzt. Der letzte Guardi im Zweimeter-Format wurde 1989 in Monaco für 16 Millionen Dollar versteigert. Altmeisterkäufer riskieren mit solchen Summen mehr als die Käufer zeitgenössischer Kunst. Es gibt zu wenige solcher musealen Trophäen, um einen kalkulierbaren Markt zu schaffen; die Geschmackstrends sind unübersichtlich, Nachschub und Nachfrage unberechenbar. Hier kommt es auf persönliche Leidenschaft und Kennerschaft an. Zwei Begeisterte reichen für einen Superpreis; aber wenn einer wegfällt, sacken die Preise schnell zusammen.

Zweikampf um ein Rennpferd

Sotheby's hatte in seiner Abendauktion einen Spitzenumsatz von 48 Millionen Pfund, bei Christie's waren es am Vorabend, dem 5. Juli, sogar 50 Millionen. Fast 40 Prozent der Lose gingen jedoch zurück. Die Nachfrage nach der Dutzendware von Blumenstillleben, Landschaften und Porträts fülliger Engländer schwindet. Sogar das laut Sotheby's "verführerischste Gemälde der britischen Kunst" scheiterte, ein großformatiger Frauenakt von Sir Peter Lely, den ein Sammler erst 2007 bei Christe's mit 1,6 Millionen Pfund hoch bezahlt hatte. Nun waren sogar die geforderten 600 000 Pfund zu viel.

Christie's Star war das im 18. Jahrhundert berühmte Rennpferd "Gimcrack" aus der Sammlung des Rennstallbesitzers und Whisky-Magnaten Woolavington. Geschaffen hat es der Pferdemaler George Stubbs. Mit auf dem Bild ist sein stolzer Besitzer und der ursprüngliche Auftraggeber des Bildes. Er hält die Zügel, während ein Stallbursche das Pferd mit Stroh abreibt. Daneben steht ein Jockey mit seinem Sattel. Im Hintergrund sieht man die rennenden Pferde, die allerdings eher wie hölzerne Schaukelpferde aussehen. Experte John Stainton erinnert daran, dass die Bewegungsabläufe erst 100 Jahre später mit Hilfe der Fotografie erkannt wurden.

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Der Markt will figurative Bilder

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