Altmeister
Rennpferd am Start

London stehen die ehrgeizigsten Altmeister-Auktionen seit langem bevor. Zu den Top-Losen gehört eine Pferdebild von George Stubbs und eine Venedigvedute von Francesco Guardi.
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Zwei Super-Altmeister mit „Crossover Appeal“ werden das Auktionsgeschehen bestimmen, wenn in den Londoner Auktionen der Stab an die alte Kunst weitergereicht wird – mit einem vollgepackten Angebot, das von exzeptionellem Kunsthandwerk bis zu illustren Handschriftensammlungen führen. Ganz oben in den Preiserwartungen stehen eine Venedigvedute von Francesco Guardi und ein Pferdebild von George Stubbs. Nur kontinentale Außenseiter werden nicht verstehen, warum der 193 cm breite Stubbs mit seinen Rennpferden auf der Heide von Newmarket mit 20 bis 30 Millionen Pfund bei Christie’s teurer sein soll, als Guardis atmosphärische Venedigvedute im Superformat von 130 x 204 cm. Sie ist bei Sotheby’s am 6. Juli auf 15 bis Millionen Pfund angesetzt.

Entscheidung der englischen Exportaufsicht 

Der grandiose Guardi, einer von nur fünf in diesem Großformat, wird von Erben des britischen Politikers Paul Guiness Channon eingeliefert. Er ist der bedeutendste Guardi seit ein vergleichbares Format 1989 in Monaco 16 Millionen Dollar brachte, sagt der Händler und Kurator der jüngsten Vedutenausstellung der Nationalgalerie, Charles Beddingtion. Das Pendant, das ebenfalls aus der Channon Familie stammt, wurde in der Ausstellung der Nationalgalerie gezeigt. Beide waren zuletzt in der Venedig-Ausstellung der Royal Academy zu sehen und werden nun, wenn die englische Kunstexportaufsicht nicht eingreift, auseinandergerissen. Sotheby’s glaubt, dass das Interesse weit über den engen Kreis der Altmeistersammler hinausgeht.

Maler der Aufklärung 

Die Schätzung für den am 5. Juli bei Christie’s versteigerten Stubbs bei scheint hoch, zumal Sotheby’s im Dezember einen großen Stubbs der Macclesfields Familie nur knapp unter Taxe für 10,1 Millionen Pfund verkaufen konnte. Vielleicht verstörte die Puristen damals die romantische Landschaft. „Gimcrack on Newmarket Heath“ zeigt Stubbs nun von seiner anatomisch brillantesten Seite als kristallklar malenden Künstler der Aufklärung. Das superb erhaltene Bild mit dem bedeutendsten Rennpferd des 18. Jahrhunderts gehörte Stubbs Mäzen, Lord Bolingbrock. Seit 1951 im Besitz der Einlieferer.

Der Guardi stammt aus der Familie von Bierbrauern (Guiness), bei dem Stubbs war Whisky im Spiel: Die Einlieferer kommen aus der Buchanan Familie, die u.a. das einst berühmte „Black & White“-Label kreierte. Der Mindestpreis ist von dritter Seite vorab garantiert. Stubbs wird also neben Raphael, Rubens, Rembrandt und Turner zu den teuersten Altmeistern gehören, versichert Christie’s Altmeisterchef Richard Knight schon jetzt und fügt, etwas rätselhaft hinzu, „dank der globalen Natur des Kunstmarkts im 21 Jahrhundert".

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