Altmeistergraphik
Dürers Glücksgöttin

Wer exzellente Graphik sucht, wird bei C.G. Boerner fündig. Dürer und Rembrandt sind hier genauso vertreten wie die amerikanische Impressionistin Mary Cassatt. Auch der preisbewusste Sammler stößt hier auf eine schöne Auswahl.
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DÜSSELDORF. Der Markt für Altmeistergraphik ist ein stiller, unprätentiöser Markt, den weniger die Auktionen als ein knappes Dutzend von Welthändlern prägen. Zu diesen gehört das in New York und Düsseldorf ansässige Kunsthaus C.G. Boerner, das mit seinem Jubiläumskatalog 125 das Programm etablierter Lagerlisten auf eine marktfördernd breite Basis stellt. Die aktuelle Auswahl aus den Lagerbeständen umfasst 154 Katalognummern von Israhel van Meckenem bis Ernst Ludwig Kirchner.

Klassische Marktschwerpunkte wie Dürer, Rembrandt, Piranesi sind prominent vertreten, aber auch die deutsche Graphik kommt mit seltenen Blättern von Daniel Chodowiecki und Angelica Kauffmann, Carl Wilhelm Kolbe und Domenico Quaglio nicht zu kurz. Gerade hier sind die Preise noch nicht aus dem Ruder. Sie reichen bei den Genannten bis 6 700 Euro. Quaglios seltene Radierungsfolge "Vierundzwanzig Landschaftliche Gegenstände" von 1821 kostet 3 500 Euro.

Ein besonderer Akzent liegt auf der französischen Gaphik des 19. Jahrhunderts. Der rare Klassizist Pierre-Narcisse Guérin ist hier mit drei frühen Lithographien vertreten (en bloc für 7 500 Euro), es gibt Porträts von Ingres und einen der in Glas geätzten Lichtdrucke ("Cliché-verre") von Corot: Der "Reiter im Wald" auf 18 000 Euro angesetzt. Stark ist das Engagement für die immer noch unterbewerteten Peintres-Graveurs, jene Maler, die sich mit einem starken Teil ihres Gesamtwerks der Erneuerung der französischen Graphik verschrieben hatten. Namen wie Auguste Delatre, Maximilien Luce, Louis Legrand, Auguste Brouet, hier mit Preisen von 450 bis 2 100 Euro vertreten, sind bei uns noch zu entdecken. Die amerikanische Impressionistin Mary Cassatt ist mit dem farbigen Hauptwerk "The Fittings" (zwei Frauen bei der Anprobe) teuerstes Objekt der Offerte: 260 000 Euro kostet der museale Druck.

Von den Marktklassikern Dürer und Rembrandt, die nach wie vor als Valutawert erster Ordnung gelten, sind teure Blätter bereits verkauft oder reserviert. Ungewöhnlich breitrandig ist der 1514, im Jahr der "Melancholie" entstandene Kupferstich der "Madonna an der Mauer", der 35 000 Euro kostet. Der frühe, harmonische Abzug von Dürers "Nemesis" mit der auf einem Wolkenband rollenden Glücksgöttin ist auf 130 000 Euro angesetzt. Genau so viel kostet Rembrandts biblische Szene "Jesus vom Tempel zurückkehrend" in einem brillanten Frühdruck. Nicht minder markant in den Schattenpartien ist der Abzug auf Japanpapier der bogenförmigen Komposition "Jesus und die Samariterin", der mit 125 000 Euro notiert. Auf der jüngsten New Yorker Graphikmesse kam das breite Boerner-Angebot gut an. Die Amerikaner traten hier wieder einmal als beherzte Käufer in Erscheinung. Sie sind die treibende Kraft des Graphikmarktes.

www.cgboerner.de

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