Altmeisterhandel
Konrad Bernheimer sichert die Zukunft von Colnaghi

Der Münchener Altmeisterhändler Konrad Bernheimer stellt die Weichen für den Fortbestand von Colnaghi. Die älteste Kunsthandlung Londons zieht aus der Bond Street nach St. James. Als nächster Schritt soll eine neue Generation als Partner einsteigen.
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LondonDas Winterhalbjahr wird aufregend für Konrad Bernheimer und seine Familie. Versteigerung von Überschüssigem aus Familienbesitz bei Sotheby’s in London, Auszug aus der Burg Marquartstein, Aufgabe der Kunsthandlung in der Münchner Brienner Straße und nun stehen auch Umwälzungen beim Juwel der Bernheimer’schen Aktivitäten bevor. Die Traditionshandlung P & D Colnaghi & Co, die Bernheimer 2002 in einem kühnen und ehrgeizigen Schritt zusammen mit der Altmeister Zeichnungshändlerin Katrin Bellinger von der Oetker Gruppe kaufte, wird im nächsten Jahr von ihrem Stammplatz in der Bond Street in ein neues Gebäude in St.James’s übersiedeln. Doch der Umzug ist mehr als Teil der Fluchtbewegung des Londoner Kunsthandels aus der Bond Street, wo nun Mode, Juwelen und chinesische Konsumenten den Ton angeben.

Töchter schlagen neue Wege ein

„Ich bin jetzt 65 und habe mein Haus bestellt“, sagte Deutschlands bekannter Kunsthändler jüngst strahlend und zählte, das Champagnerglas in der Hand auf: Seine Autobiografie gehe in die zweite Auflage, der Kunsthändlername Bernheimer werde von den Töchtern erfolgreich weitergeführt und der Fortbestand von Colnaghi sei so gut wie gesichert, zog er Bilanz.

Zwei von Bernheimers Töchtern machen weiter im Kunsthandel und folgen nach einer Familientradition den eigenen, zeitgemäßen Interessen. So wie sich Konrad Bernheimer vom Antiquitätenhandel des Großvaters emanzipierte und Altmeisterhändler wurde, haben Isabel Bernheimer mit der Künstleragentur Bernheimer Contemporary in Berlin (Siehe Handelsblatt Printausgabe v. 7.8.2015) und Blanca mit ihrer Photogalerie Bernheimer Fine Art Photography mit Schwerpunkt in Luzern eigene Ideen umgesetzt.

Austrittsklausel erlaubt Umzug

Colnaghis Umzug ist zunächst ein opportunistischer Schritt: Der Pachtvertrag für die Räume im alten Colnaghi Haus gibt Bernheimer eine Austrittsklausel, so dass er ein besseres Angebot der Crown Estates annehmen kann. Die fördern den Kunsthandel im Viertel St. James’s, wo auch Christie’s seinen Sitz hat.

Colnaghi wird in der Bury Street in einem Neubau wieder eine „richtige“ Galerie mit Fensterfront auf Straßenniveau beziehen. Die Räume sind so großzügig, dass auch die berühmte und mit hohem Einsatz Bernheimers gerettete Colnaghi Bibliothek wieder repräsentativ installiert werden kann – und alles zu besseren Konditionen als in den Etagenräume in der Bond Street.

Bernheimer hatte Colngahi 2002 von der deutschen Oetker Gruppe übernommen. Rudolf Oetker, ein leidenschaftlicher Altmeistersammler, hatte Colnaghi 1986 über die Oetker Gruppe von dem von Jacob Rothschild finanzierten Händler Rudolf Herner gekauft. Doch die dazu gehörige Immobilie gehört heute einem Pensionsfonds, dem Gewinnmaximierung wichtiger ist als das Wohlergehen des Altmeisterhandels.

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Konrad Bernheimer sichert die Zukunft von Colnaghi

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Rückzug auch von Katrin Bellinger

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