Am roten Teppich glossiert: Kapitulierte Hitler vor Powerpoint?

Am roten Teppich glossiert
Kapitulierte Hitler vor Powerpoint?

Die Berlinale feiert den Film „Monuments Men“. Er belegt: Die Alliierten siegten dank Microsofts Präsentations-Software. Die „wahre Geschichte“ ist wohl nur eine billige Geschichts-Kulisse.
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DüsseldorfPräsentationen mit Powerpoint gelten als langweilig, als Zeitfresser, als Marotte von Wichtigtuern auf Konferenzen, die gern auch mal eine Fanfare zum animierten Clip-Art einspielen.

Doch ausgerechnet auf der Berlinale wird das Publikum eines Bessern belehrt: Haben die Alliierten dank Powerpoint Nazi-Deutschland in die Knie gezwungen? Verdankt Deutschland seine Demokratie also dem Programm von Microsoft? Hat Bill Gates mehr für das freie Europa getan als Franklin D. Roosevelt?

Gut, Microsoft-Gründer Bill Gates erblickte erst zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Licht der Welt. Das spricht gegen die These. Dafür spricht jedoch der Trailer (ab Sekunde 21) des internationalen Top-Films auf der Berlinale, „Monuments Men“. In dem Hollywood-Film sichern George Clooney, Matt Damon und Bill Murray als Offiziere der US-Armee Kunstschätze in Europa, die in den Frontverlauf geraten.

Im Trailer in Sekunde 20 bekommen sie einen Einblick in den Frontverlauf: per Präsentation auf großer Leinwand. Bunte Pfeile verdeutlichen den Vorstoß der Alliierten in die von Deutschland besetzen Gebiete. In kräftigen Farben leuchtet Europa, dessen Länder ordentlich in Druckbuchstaben beschriftet sind. Ach, wie schön ist Powerpoint!

Nun sieht ja in Filmen die Zukunft gern aus wie eine Fortschreibung der Gegenwart – die 70er-Haarschnitte der Star-Wars-Crew ist ein abschreckendes Beispiel dafür. Auch in Historienfilmen tragen die Charaktere bevorzugt die Haarschnitte des Drehjahres: George Clooney und Matt Damon mussten nach Drehschluss nicht fürchten, als unmodern aufzufallen. Da darf die Technik natürlich nicht zurückstehen.

Immerhin: Gezeigt wird kein Beamer für die Präsentation, sondern ein Diaprojektor. Falls die Alliierten nicht eine große Abteilung an sehr guten Dia-Malern hatten, die wöchentlich neue Karten des Frontverlaufs zeichneten, bleibt für das Dia darin aber nur eine Erklärung: Powerpoint war ein militärisches Geheimprojekt der USA. Die erfolgreiche Antwort auf die V2, gewissermaßen.

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