Anish Kapoor
Die Wahrnehmung verändern

Mit gigantischen Skulpturen ist der Künstler Anish Kapoor reich und berühmt geworden: Große Werke kosten heute eine Million Euro und mehr. Nun läuft mit Hilfe der Deutschen Bank die erste große Schau in Australien.
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Sydney„Es tut mir furchtbar leid, aber ich kann zur Kunst anderer Leute nichts sagen!“ Anish Kapoor ist genervt. Er steht in Sydneys Museum of Contemporary Art Australia (MCA), um seine erste Ausstellung in Australien zu eröffnen. Doch die an ihn gerichteten Fragen drehen sich weniger um seine Arbeit, als um seine Äußerungen zur Kunst im öffentlichen Raum. Hatte doch der Superstar der Gegenwartskunst dem „Sydney Morning Herald“ in die Feder diktiert: „Kunst sollte mehr sein als nur eine Art Hundehaufen auf dem Rasen.“

In aller Welt bewundern Menschen Kapoors öffentlich zugängliche Skulpturen. Draußen, vor der Museumstür des MCA, steht gegenwärtig „Sky Mirror“: ein gigantischer, konkaver Spiegel. In Chicago wurde 2004 eine riesige Bohne aus Stahl namens "Cloud Gate" zum Publikumsmagneten; zu den Olympischen Spielen in London baute er den 115 Meter hohen Turm Orbit.

Was aber macht seine eigenen Objekte zu mehr als Hundehaufen im Gras? Kapoor findet: "Kunst sollte Verwunderung auslösen, eine Art Ehrfurcht, und sie sollte ein Gemeinschaftsgefühl schaffen." "Sky Mirror" wirke in einem bestimmten Licht wir ein "Portal in eine andere Welt", doch hier in Sydney spiegle die elf Meter hohe Scheibe die Boote im Hafen, das Opernhaus und die Harbour Bridge. Doch damit genug zur Interpretation, so Kapoor: "Es gibt in unserer Gesellschaft einen gigantischen Kult um berühmte Leute. Der interessiert mich nicht. Mir geht es darum, Platz zu schaffen für etwas anderes. Wir sind alle verschieden, aber darunter liegt etwas, das uns alle verbindet. Die Menschen wissen es zu schätzen, wenn man sie daran erinnert."

Dabei ist Kapoor selbst durchaus eine umworbene Berühmtheit, spätestens seitdem er 1991 mit 37 Jahren den Turner-Preis gewann. Sein Erfolg lässt sich auch monetär ausdrücken: Artinfo zählt ihn zu den "zehn reichsten Künstlern" der Welt und schätzt sein Vermögen auf über 60 Millionen Dollar. Die Preise seiner Werke lassen das realistisch erscheinen. Mitte November erzielte bei Sotheby's in New York eine kreisrunde Skulptur aus Aluminium und Lack umgerechnet 1,2 Millionen Euro und damit deutlich mehr als den Schätzpreis. Bei Christie's in New York brachte eine im Durchmesser 160 Zentimeter messende Spiegelarbeit aus poliertem Stahl - "Untitled" von 2006 - fast gleichzeitig umgerechnet 726 469 Euro. Dank solcher Umsätze kann Kapoor in London ein Studio mit rund 20 Angestellten betreiben.

Die braucht er wohl auch, um seine gigantischen Arbeiten zu realisieren. Ihre schiere Größe überwältigt nicht nur das Publikum, sondern auch Kuratoren. Elisabeth-Ann Macgregor, die Direktorin des MCA, musste sich den Kopf zerbrechen, wie sie Kapoors schwere Exponate ins Land und ins Haus bekommt (bis 1.4.). Dabei halfen ihr ein Kran - und die guten Beziehungen zur Deutschen Bank, ist das Herzstück der Ausstellung doch "Memory", eine 24 Tonnen wiegende Installation aus Stahl, die 2008 im Auftrag des Finanzinstituts für die Deutsche Guggenheim entstand und heute der Bank gehört.

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