Antike
Drastischer Preissprung

Neue Käufer, die Moderne sammeln, kaufen jetzt auch römische und griechische Skulpturen und treiben die Preise in die Höhe. Gemeinsam hämmerten Christie?s und Sotheby?s 80 Millionen Dollar für Antike Kunst ein. Beide Häuser punkteten vor allem mit bekannten Nachlässen.
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NEW YORK. Zehn Minuten lang stritten sich zwei hochrangige Agenten am Telefon bei Christie?s um eine über 4 000 Jahre alte kykladische Marmorfigur. Kurz vor dem Zuschlag meldete sich noch einmal der New Yorker Händler Hicham Aboutaam von Phoenix Ancient Art, aber bei erstaunlichen 16,9 Millionen Dollar ging die fast 30 Zentimeter hohe Figur doch an den anonymen Telefonbieter. Er sei wahrscheinlich europäisch, munkelt die Branche. Es war der erste Auktionsauftritt des außergewöhnlich fein gearbeiteten Idols von der Hand des sogenannten "Schuster Meisters", benannt nach der Sammlerin Marion Schuster aus Lausanne.

Auch das Getty Museum besitzt eine ihm zugeschriebene Figur, aber diese hier war besser, in einem Stück erhalten und mit der heute geschätzten, kaum gereinigten Oberfläche. Die nicht zimperliche Taxe von drei bis fünf Millionen Dollar orientierte sich am Kaufpreis, den der New Yorker Finanzier Michael Steinhardt, jetzt der Einlieferer, gezahlt hatte. Kennern war klar, dass die Figur heute leicht über zehn Millionen Dollar bringen würde. Neue Käufer, die bislang vor allem Moderne oder Zeitgenossen sammelten, treiben derzeit Preise für Antiken hoch.

Gemeinsam hämmerten Christie?s und Sotheby?s am 8. und 9.12. äußerst starke 80 Millionen Dollar (für 368 Zuschläge) für Antike Kunst ein. Sotheby?s 46 Millionen Dollar (für 105 Lose) reichten fast an das Ausnahmejahr 2007 heran. Beide Häuser punkteten vor allem mit bekannten Nachlässen, Sotheby?s glänzte mit 38 Losen aus dem Besitz des 2009 verstorbenen Unternehmers und Mäzen Clarence Day aus Memphis. Seine Sammlung galt als eine der zehn besten des Landes.

Ein nicht in erster Linie auf Antiken spezialisierter europäischer Käufer, so ein Eingeweihter, zahlte 23,8 (Taxe zwei bis drei) Millionen Dollar für die Büste des schönen Knaben Antinoos (um 130 n. Chr.). Sie beeindruckte durch den Vorbesitz Louis de Clercqs, dessen Sammlung heute weitgehend im Louvre steht. Hinzu kommt die einzigartige Inschrift "Antinoos" auf dem Sockel.

Christie?s nahm (für 263 Lose) 34,09 Millionen Dollar ein, hier übertrafen sechs Objekte aus dem Nachlass des kalifornischen Computerpioniers Max Palevsky ihre Taxen um ein Vielfaches.

Die Palevsky-Lose wurden von einer in ein langes Gewand gekleideten römischen weiblichen Statue (1. bis 2. Jh. n. Chr.) angeführt, die den klassischen griechischen Stil von vor einigen Jahrhunderten imitiert. Für diese wunderbare Figur zahlte ein privater Sammler 962 500 (250 000 bis 350 000) Dollar. Das römische Marmorporträt von Sokrates (um 1. Jh. n. Chr.) hatte Palevsky 2001 noch 87 000 Dollar gekostet, jetzt kletterte es auf 458 500 (80 000 bis 120 000) Dollar, eine offenbar typische Preisentwicklung.

Händler sehen in den nun häufig viel zu niedrig angesetzten Taxen, dass die Wertsteigerung von den Auktionshäusern noch nicht verarbeitet wurde.

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