Antiken
Was sexy ist, wird teuer

Der Aufschwung der Antiken verdankt sich der Nachfrage von Cross-over-Sammlern und Museumsgründern. Während die Skulptur schnell teuer wird, sind Bildvasen noch günstig zu haben.

BerlinDer Antiken-Markt lebt von Kontrasten. Es gibt sie zwar immer noch, die klassischen Spezialsammler, die sich ausschließlich an ägyptischen, griechischen und römischen Ausgrabungen freuen. Doch in den letzten Jahren haben auch Moderne-Sammler erkannt, welch hohen ästhetischen Reiz die Verbindung von Kunst des 20. Jahrhunderts mit antiken Skulpturen, Bildvasen und Reliefs haben kann.

Diese Cross-over-Sammler ließen den Antikenhandel im letzten Jahrzehnt florieren. Selbst Hedge-Fonds-Manager, die meist die Spitzenwerte der zeitgenössischen Kunst bevorzugen, sind unter den Käufern. Eine aktuelle Melange bietet die Privatsammlung von Christian Levett. Der 41-jährige Londoner Hedge-Fonds-Gründer hat im Juni dieses Jahres in dem südfranzösischen Picasso-Ort Mougins ein Privatmuseum eröffnet, in dem zweitrangige Werke von Picasso, Chagall, Dufy, Picabia, Calder, Yves Klein mit ägyptischen Grabbeigaben, attischen Amphoren, hellenistischem Goldschmuck, römischen Skulpturen und einer musealen Phalanx von Bronzehelmen kombiniert sind. Die Antike triumphiert hier über die als bloße Kontrastfarbe eingesetzte Moderne.

Museen haben die Begegnung von alt und zeitgenössisch vorgemacht. Etwa das Alte Museum Berlin mit einer Schau, die Plastiken von Giacometti mit Skulpturen der ägyptischen Amarna-Kultur kombinierte. Oder jüngst das Bass Museum of Art in Miami Beach, das seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst eine Abteilung ägyptischer Kunst integrierte. Warhols "Jackie" neben dem ptolemäischen Mumiensarg: das ist der neue mehrstrahlige Blick, der traditionelle Sammelstrategien effektvoll ergänzt. Man sollte nicht vergessen, dass die großen Sammler der Barockzeit gleiche Passion für die Maler ihrer Zeit und für die griechisch-römischen Antiken pflegten, allen voran der Caravaggio-Förderer Scipio Borghese.

Der Antiken-Markt hat in den letzten zehn Jahren einen beispiellosen Aufschwung erfahren: durch die Londoner und New Yorker Auktionen, aber auch durch die Antiken-Abteilung der Maastrichter Tefaf-Messe, auf der sich Großsammler wie Scheich Saud al-Thani von Katar bedienen.

Dieser Megakäufer hatte seit 1999 für geplante Museen in Doha und für seine eigene Privatkollektion museale ägyptische, griechische und römische Ausgrabungen angekauft. Zu diesen Hochpreis-Objekten zählt auch die 2002 bei Christie's für 7,9 Millionen Pfund ersteigerte, um Kopf und Glieder ergänzte römische "Jenkins-Venus", bis heute eines der teuersten Antiken-Objekte aller Zeiten. An der Spitze liegt mit 57,1 Millionen Dollar das im Dezember 2007 bei Sotheby's versteigerte Sandstein-Figürchen eines Mischwesens aus Löwe und Frau, das um 1930 in der Umgebung von Bagdad ausgegraben wurde.

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