Antiquariate
„Wir bewahren ein Stück Kultur“

Kaum ein Zweig der Buchbranche ist vom Internet so stark betroffen, wie die Antiquariate. Der Online-Handel bietet viele Chancen für Antiquare. Auf der Leipziger Buchmesse gibt es die alten Bücher aber noch zum Anfassen.

LEIPZIG. Der Pianist hat fertig geraucht und setzt sich wieder an das Klavier, das inmitten eines kleinen Cafés steht. Er spielt die Melodie aus dem Filmklassiker "Casablanca". Die perfekte Atmosphäre für einen Rundgang auf der Antiquariatsmesse. Die Besucher schlendern durch die Gänge, von Hektik keine Spur. Hier und da bleiben sie vor Glasvitrinen oder Holzregalen stehen und schauen gebannt auf Bücher, die meist älter sind als sie selbst.

"Leipzig ist eine Publikumsmesse, das ist der große Vorteil", sagt Veranstalter Detlef Thursch. Die Ausstellungsfläche ist in die Messe integriert. So gelangen auch unbedarfte Besucher zur Antiquitätenmesse. In Stuttgart, dem wichtigsten Branchentreff Deutschlands, kommt dagegen nur das Fachpublikum. Nachwuchs heranzuziehen sei enorm wichtig, sagt Thursch. Auf zwei verstorbene Liebhaber alter Bücher käme nur einer nach. Thursch ist trotzdem zufrieden.

"Der Branche geht es gut", sagt er. Seit einigen Monaten ziehe die Nachfrage an, auch die Messen wären gut besucht. Woran das liegt, weiß Thursch selbst nicht. Vermutlich am wirtschaftlichen Aufschwung insgesamt. "Wir verkaufen schließlich Luxusgüter", sagt er und räumt ein, dass er sich um sein eigenes Antiquariat in Düsseldorf kaum noch kümmern kann: "Ich verkaufe nur noch meine Bestände ab." Thurschs Hauptaugenmerk liegt darauf, Messen zu veranstalten.

Vor dem Eingang zur Antiquariatsmesse befindet sich die so genannte Lesemeile. Geschätzte 400 Meter ist die Aneinanderreihung von Ikea-Regalen lang, sie führt einmal um die Ausstellungsfläche herum. Jung und alt drängen sich vor die Bücher, manche lesen sich richtig fest. "Wir stellen dort nur Belletristik aus-gut erhalten, von guten Autoren und Verlagen", sagt Thursch. Die Besucher nehmen das Angebot offenbar gut an und werfen danach auch einen Blick hinter die Regalwände.

Dabei ist Stöbern vor Ort mit dem Siegeszug des Internets aus der Mode gekommen. Das spürt kaum eine Branche so stark wie die der Antiquare. "Die Ladenlokale haben gelitten", sagt Thursch. Vor allem die Umsätze seien stark zurückgegangen. Das Internet hat den Konkurrenzdruck erhöht, dementsprechend gerieten die Preise unter Druck. Doch Thursch sieht das Internet nicht nur als Fluch.

Die meisten Antiquare bieten ihre Kataloge längst auch online an. Das erhöht den potenziellen Kundenkreis. Man kann die Angebote vergleichen, Raritäten im eigenen Bestand so besser ausmachen. Die Genossenschaft für Internet e.G. -Antiquare (GIAQ) oder das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) bündeln ihre Anstrengungen online.

Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist das Antiquar-Geschäft jedoch nicht. Geschätzte 300 Millionen Euro setzt die gesamte Branche im Jahr um. Aber darum geht es Detlef Thursch auch nicht. "Wir bewahren ein Stück Kulturgut", sagt er. Wer Antiquar wird, der tut dies vor allem aus Leidenschaft zum Buch.

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