Antiquitäten
Auf ausländische Bieter ist Verlass

Eine Reihe von marktfrischen Einlieferungen beschert dem Stuttgarter Auktionshaus Nagel ein zufrieden stellendes Ergebnis für seine „Kunst & Antiquitäten“-Auktion. Spitzenlos des untypisch schmalen Angebots wird eine steinerne Christusbüste von 1315.
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StuttgartEs war dieselbe Paradies-Darstellung mit unzähligen Tierarten wie im Oktober letzen Jahres. Aber als das Auktionshaus Nagel den „Einzug der Tiere auf der Arche Noah“ am 25. Februar 2015 ein zweites Mal anbot, hatte das barocke Gemälde in den Augen der Sammler an Bedeutung und Begehrlichkeit gewonnen.

Vor fünf Monaten war das Johann Rudolf Bys zugeschriebene Bild bei einer Taxe von 15.000 Euro durchgefallen. Jetzt wurde es im Rahmen der „Kunst & Antiquitäten“-Auktion als Arbeit aus der Werkstatt des in ganz Europa tätigen Malers Carl Borromäus Ruthart aufgerufen. Die Erwartung für das Bild, bei dem es sich um eine verkleinerte Variante einer Tafel in der Staatsgalerie Stuttgart handelt, lag bei 30.000 Euro. Erst mit einem Einsatz von 55.000 Euro (alle Erlöse inkl. 33 Prozent Aufgeld) setzte sich ein Privatsammler gegen internationalen Handel durch.

Bei interessanter Ware konnte sich Nagel auf die Bieter aus dem Ausland verlassen. Der internationale Handel hatte sich in Position gebracht, als eine steinerne Christusbüste von ca. 1315 aufgerufen wurde. Selten gelangen Werke dieser Art auf den Markt. Einen Extrabonus besaß die Arbeit zudem durch die Zuschreibung an den toskanischen Meister Tino di Camaino. Von geschätzten 30.000 Euro stieg ihr Preis auf 175.000 Euro. Ein Liebhaberpreis ist das trotzdem nicht. Der Handel ist bekanntlich nicht mehr als eine Zwischenstation auf dem Weg zum Sammler.

Der Handel hat das Nachsehen

Marktfrische Einlieferungen aus Sammlungsnachlässen bescherten Nagel gut ein Dutzend beachtlicher Steigerungen. In diesen Fällen konnte das Stuttgarter Haus sowohl mit Qualität als auch mit niedrigen Taxen locken. Wie die Christusbüste stammte auch die sanfte, geschnitzte Halbfigur Johannes´ des Täufers aus dem frühen 16. Jahrhundert aus der Sammlung der Frankfurter Mäzenatin Lilly von Schnitzler. Bei 24.000 Euro wechselte die äußerst moderat bei 3.000 Euro angesetzte Skulptur.

Mehr als das Fünffache der Taxe war Interessenten ein in feinster Malerei ausgeführter Altarflügel mit der Darstellung des Petrus-Martyriums und einer rückseitigen Verkündigungsszene wert. Die schwäbische, 1506 datierte Tafel aus der Sammlung des Stuttgarter Landgerichtsrats Burkhard spielte 50.000 Euro ein. Erwartungsgemäß überschritt ein prächtiger Deckenlüster von ca. 1830 nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel das Limit von 8.000 Euro. Ein privater Käufer setzte sich bei dem prächtigen Stück aus einer Villenauflösung bei 25.000 Euro durch. Der Handel hatte das Nachsehen.

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