Antiquitäten-Biennale
Auf der Insel der Seligen

Die römische Antiquitäten-Biennale sucht ihr Heil im musealen Ambiente. Doch die Rahmenbedingungen wirken sich negativ auf Verkäufe aus. Ein Strategiewechsel täte not.
  • 0

RomFür die Veranstalter der  römischen Antiquitäten-Biennale ist Form keine Nebensache. Der Ort, an dem vom 5 bis 14. Oktober Gemälde und Objekte zur Schau gestellt werden, muss schon ein Siegel für Qualität und Exzellenz sein. Eine Pflicht, die das römische Museum der Alten Kunst, Palazzo Venezia, erfüllt. So findet auch die achte Messe wieder in dem edlen Ambiente statt, obgleich die Messeleitung sich sicherlich die Frage hat stellen müssen, ob ein Strategiewechsel nicht ratsam wäre. Denn die Alte Kunst ist in der Krise, die Auktionen verzeichnen mehr Rückläufer als Spitzen-Zuschläge, zahlreiche Galerien haben ihre Aktivität reduziert oder gar eingestellt,  die Sammler sind wählerisch und werden vor allem immer weniger. Das gilt vornehmlich für den Bereich der Alten Meister.

Um neue Kunden- oder zumindest neue Interessentenkreise aufzutun, könnte auch die Antiquitäten-Biennale einen Tapetenwechsel gebrauchen. Die museale Schau-Bühne kann zur Hemmschwelle für jüngere Sammler und Neulinge werden. Der  Kunst haftet  hier, in den dunklen Sälen, trotz  cremefarbener Ausstattung der Kojen, etwas Heiliges. Dabei ist Kunst käuflich und soll es auch sein. Das Festhalten an dem altbewährten Muster, vom Outfit bis zur Kommunikation, in der vom „Triumph des Schönen“ die Rede ist, wirkt wie eine Flucht in die Vergangenheit, das Museum wie ein Zufluchtsort, an dem die Unruhen der Wirtschafts- und Kunstmarktkrise vorüberziehen.

Zurückgehende Teilnehmerzahl

So wird die Biennale immer mehr zur Nische und die Aussteller weniger. Nur noch 60 Händler bespielen die Bühne im Palazzo Venezia, nur neun von ihnen kommen aus dem Ausland. Adam Wiliams Fine Art (New York) und de Jonkheere (Paris /Brüssel) halten Rom weiter die Treue, während drei Galerien, die 2010 erstmals teilnahmen (Bernheimer/Colnaghi (München /London),  Sculpture Gallery Fine Art (Maastricht) und  Galerie Coll & Cortes aus Madrid) das Experiment nicht wiederholen. Es hat sich offensichtlich nicht gelohnt.

Dafür reisen aber aus der Schweiz die Basler Cahn AG  und The Butterfly Institute of Fine Arts (Lugano) an. Beides Händler, die mit Unternehmergeist ihre Fühler weit über den klassischen Galeriebetrieb hinausstrecken. Vielleicht also ein Zeichen, dass auch die Ewige Stadt zu neuen Ufern aufbrechen will. Weniger ermutigend, zumindest was die Kommerzialisierung der Messe betrifft,  mutet hingegen die Sonderschau „donnesca mano“ zum Thema Frauenkunst im 17. Jahrhundert an. Die Initiative ist löblich, doch hat sie einen Haken. Die Werke von Sofonisba Anguissola, Fede Galizia, Artemisia Gentileschi, Maria Luigia Raggi e Virginia da Vezzo stehen nicht zum Verkauf! Da wird man wohl mit Jacopo Tintoretto Vorlieb nehmen müssen, dessen großartiges Gemälde „Susanna“ aus der Sammlung Italico Brass  im Stand von Antonacci-Lapiccirella auf einen Käufer wartet.

Die Biennale Internazionale di Antiquariato di Roma läuft im Palazzo Venezia, Rom, vom 5. bis 14. Oktober 2012.

Kommentare zu " Antiquitäten-Biennale: Auf der Insel der Seligen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%