Antiquitäten
Ein Grauschimmel macht Preiskarriere

Die Kunst- und Antiquitäten-Auktion von Nagel wartete mit viel Material und einigen Überraschungen auf. Die Spitzenzuschläge kamen aus fast allen Sammelgebieten der Offerte.
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DÜSSELDORF. Eine Reihe unerwartet hoher Zuschläge hat dem Stuttgarter Auktionshaus Nagel zu einem erfreulichen Gesamtergebnis seiner Kunst- und Antiquitäten-Auktion vom 6. und 7. Oktober beschert. Auf knapp 4 Mio. Euro (inkl. Aufgeld) beläuft sich die Bilanz, etwas weniger als insgesamt geschätzt worden war. Von den zum Aufruf gelangten 944 Losen konnten knapp 60 Prozent verkauft werden.

Tafel mit Riss

Die Spitzenzuschläge verteilten sich auf fast alle Sammelgebiete der materialreichen Offerte. Nicht gerechnet hatte man mit der steilen Preiskarriere einer auf Holz gemalten Kreuzigungsszene, zumal sie einen durchgehenden vertikalen Riss aufwies. Der Konkurrenzkampf um die sehr qualitätvolle, bewegte Figurenkomposition, die mit aller Vorsicht einem Nachfolger Simon Vouets (1590-1649) zugeschrieben worden war, trieb die Tafel von geschätzten 3.000 auf 164.920 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld).

Verführungskünste eines Göttervaters

Es gab noch mehr erstaunliche Ergebnisse im attraktiv getaxten Gemäldeangebot. Auf 26.600 Euro brachte es eine Nicolas Regnier (um 1588-1667) zugeschriebene, elegante und farblich reizvolle Ovid-Szene, die auf nur 2.000 Euro geschätzt war. Ähnlich erging es einem ebenfalls nicht eindeutig zugeschriebenen Grauschimmel mit Prunksattel und Landschaftshintergrund, der von 1.500 auf 53.200 Euro kletterte. Möglicherweise ist es am Ende doch ein eigenhändiges Bild des Wahlwieners Philipp Ferdinand de Hamilton (1664-1750). Denn nur ein wenig mehr hatte vor kurzem ein sicher zugeschriebenes Grauschimmel-Gemälde Hamiltons im Wiener Dorotheum erzielt.

Unter den Skulpturen erfuhren ein mittelalterliches Lindenholzrelief der Hl. Sippe und eine Marmorgruppe von Francesco Pozzi (1779-1844) die dynamischsten Steigerungen. Das um 1500 geschnitzte, auf 7.000 Euro geschätzte Relief ging für 53.200 Euro in eine süddeutsche Sammlung; Pozzis Marmor wurde für 66.500 Euro nach Italien verkauft (Taxe 15.000). Er erzählt, wie Göttervater Jupiter - hier in der Gestalt eines völlig hingerissenen, bocksbeinigen Satyrs - kurz davor steht, Antiope im Schlaf zu vernaschen.

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