Antiquitäten
Feldhasen zum Dessert

Antiquitäten aus hochadeligem Besitz beflügelten die Herbstauktion des Kunstauktionshauses Schloss Ahlden. Die neuen Besitzer erfreuen sich nun an Vasen, die theatralische Romanzen erzählen und über Hasen aus Porzellan.
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Düsseldorf.Ein gewisser Anachronismus gehört neben eindrucksvoller Langlebigkeit zu den vielen schönen Dingen, in denen sich Lifestyle und Lebensgefühl des Adels verkörpern. Dass sie mitsamt fürstlichem Nippes beträchtliche Anziehungskräfte entwickeln, damit rechnete das Kunstauktionshaus Schloss Ahlden, als es die aus deutschem und europäischem Hochadel eingelieferten Stücke im Katalog eigens mit einer Krone markierte. So bestückt wurden die 2.105 Objekte umfassenden 150. und 151. Jubiläumsauktionen ein großer Erfolg.

5,5 Millionen Euro Umsatz machte der niedersächsische Versteigerer Anfang Oktober. Das ist nach den im Juni 2010 erzielten 7,5 Millionen Euro eines der höchsten Ergebnisse in der über 30-jährigen Geschichte des Hauses. Für rund 50 Prozent der Lose wurde – nach Angaben des Hauses – ein Käufer gefunden. "Den Hauptumsatz haben wir mit den hoch bewerteten Objekten gemacht. Das Preiswerte blieb eher liegen", erläuterte der Experte Andreas Heger das Ergebnis.

Drei sechsstellige Ergebnisse waren darunter. Teuerstes Los wurde ein goldglänzender, in auffällig bunten Farben bemalter Vasensatz aus dem Besitz der Prinzessin Elisabeth zu Wied, der späteren Königin von Rumänien. Ein deutscher Bieter, der sich gegen einen amerikanischen Sammler durchsetzte, ließ sich die mit Szenen aus der orientalischen Romanze „Lalla Rookh“ dekorierten Gefäße 181.000 Euro inkl. Aufgeld, also das Dreifache des Schätzpreises kosten.

Symbolkraft der Möpse

Gute Preise machten auch die seltenen Stücke aus den Porzellan-Manufakturen Meissen und Berlin, darunter eine klassizistische Anbietplatte aus dem berühmten Schwanenservice des sächsischen Staatsmanns Heinrich Graf von Brühl (1700-1766). Sie übersprang ihre Taxe von 48.000 Euro und ging für 55.000 Euro in deutschen Besitz. Denselben Preis brachte auch das sehr originelle und naturnahe Paar Feldhasen, das Graf von Brühl für die Dekoration seiner Desserttafel bei Johann Joachim Kaendler (1706-1776) in Auftrag gegeben hatte. Ihr Schätzpreis lag bei 38.000 Euro. Erfolgreich war auch das auf 24.000 Euro geschätzte Paar Möpse. 28.750 Euro investierte der Sammler in die symbolträchtige Tierplastik, die für zeitlose Tugenden wie Treue, Standfestigkeit und Zuverlässigkeit steht. Fast vollständig verkauft wurde die Kollektion Berliner Ansichten-Vasen mit ihren fein gemalten Veduten.

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