Antiquitäten
Maßnahmen gegen das Verschleudern

Das Auktionshaus Nagel versteigert eine Suite bedeutender Wiener Empire-Möbel aus fürstlichem Vorbesitz. Damit sie nicht unter ihrem Wert weggehen, hat der Versteigerer relativ betrachtet hohe Taxen angesetzt.
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StuttgartEin Hauch von Modernität steckt in ihnen, die Provenienz ist bestens und in die Annalen der kunsthistorischen Literatur haben sie auch längst Eingang gefunden. 17 Mahagoni-Stühle und mehrere Salon- und Armlehnstühle aus Schloss Karlslust aus dem einstigen Besitz der österreichischen Fürsten Auersperg  kommen am 4. Juni 2014 in der Auktion „Kunst & Antiquitäten“  bei Nagel in Stuttgart unter den Hammer.

Sowohl die Stühle mit den fast konstruktiv durchbrochenen Rückenlehnen als auch die Salonstühle mit den scherenstuhlähnlich gekreuzten Beinen stehen für einen neuen Stil um 1800, der in Wien eine ganz besonders elegante Prägung erfuhr. Alltäglich ist diese Offerte gewiss nicht und entsprechend hoch die Taxen. Zwischen 16.000 und 20.000 variieren die anvisierten Preise für  die paarweise aufgerufenen Möbel. 60.000 Euro erwartet Nagel für einen Sechsersatz aus der Folge der Beistellstühle.

Kein Verlass auf den Möbelmarkt

Angesichts der lauen Situation auf dem Möbelmarkt lässt sich Nagel mit diesen Taxen auf ein Vabanquespiel ein. „Das sind in der Tat Liebhaberpreise.“,  kommentierte Geschäftsführer Rudolf Pressler die angesetzten Summen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Selbst außergewöhnliche Möbel lösten in jüngster Zeit kaum mehr eifrige Bietergefechte aus. Im Auktionshaus Schloss Ahlden ist Anfang Mai ein frühklassizistischer Aufsatzsekretär des Leipziger Ebenisten Friedrich Gottlob Hoffmann nur im Nahverkauf knapp unter der Taxe von 38.000 Euro  plus 25 Prozent Aufgeld vermittelt worden. Bei Van Ham in Köln ging ein Berliner Rokoko-Schreibschrank von musealer Bedeutung etwas über der unteren Taxe bei 28.000 Euro Hammerpreis an einen neuen Besitzer.

Doch hinter den ausgereizten Preisvorstellungen sowohl bei Nagel wie auch in anderen Auktionshäusern steckt noch ein anderes Dilemma. Auf die Eigendynamik des Marktes ist momentan in Bezug auf Möbel kein Verlass. Um den Spagat zwischen der historischen Bedeutung eines Möbels und der derzeit viel zu geringen Investitionsbereitschaft der Sammler zu bewältigen, wagt man einen sogenannten Risikopreis. Der schmälert zwar die Zahl der Interessenten, schließt einen Schleuderpreis aus der Perspektive des Einlieferers aber aus.

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