Antiquitäten-Messen
Kunstspaziergang zwischen Kojen

München macht Furore als heimliche Hauptstadt für die Alte Kunst. Den Besucher erwarten vier Messen - mit einem Angebot, das alle Preisklassen bedient.

MünchenDrei Messen für Kunst und Antiquitäten werben um kaufwillige Besucher: Die „Highlights - Internationale Kunstmesse München“ im Haus der Kunst und die 56. Kunst-Messe München im Postpalast. Dazu kommen die 85. „Kunst & Antiquitäten“ im Festsaal der Paulaner-Brauerei am Nockherberg und die zweite „Munich Contempo“, die den Fokus auf die Kunst der Gegenwart richtet, einen Bereich, den die anderen Messen außen vor lassen.

Die „Highlights“ sind das ambitionierteste Projekt: eine Messe von Händlern für Händler in einem Raum, den der Architekt Tom Postma mit großem Aufwand in eine Art Schatzkammer verwandelt. Die meisten Exponate sind hier nicht nur reine Augenlust, sondern können auf eine illustre Vergangenheit verweisen. Entweder stammen sie aus einem Fürstenhaushalt oder haben Ausstellungsgeschichte geschrieben. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Preis.

Die Galerie Neuse ist einer von elf Neuausstellern der „Highlights“. Sie dürfte Freunde von Geheimfächern anziehen: Ihr attraktiver Wiener Lyrasekretär von 1812 hat gleich 48 Verstecke für Kostbarkeiten und Geheimnisse aller Art (650.000 Euro). Die feinen Möbel der Pariser Antiquitätenhandlung Aveline sind am Gemeinschaftsstand eingegliedert in Neuses überreiche Auswahl an Silber, Porzellan und Barock-Gemälden.
Peter Mühlbauer hält einen seltenen, verspielten Empire-Leuchter mit drei Putten aus Wien bereit (48.000 Euro), Frank Moeller einen feinen englischen Bibliotheksschrank, der James Newton zugeschrieben wird (125.000 Euro).
Der ungepolsterte „Bopparder Stuhl II“ von Thonet wirkt wie eine Skulptur. So kunstvoll hat der innovative Möbelmacher um 1840 das laminierte Buchenholz gebogen. Wolfgang Bauer (Beletage, Wien) hat dieses Leichtgewicht, das den Spitznamen „Laufstuhl“ trägt, auf 95.000 Euro angesetzt. Wienerroither & Kohlbacher aus Wien zeigen am selben Stand die erzählerisch verschrobene Tuschezeichnung von Alfred Kubin „Schlangen in der Stadt“ - eine Attacke auf die Entfremdung von der Natur.

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