Antiquitätenbiennale Florenz
Strategische Maßnahmen zielen auf neue Sammler

Die Antiquitätenbiennale von Florenz zählt zu den ältesten Kunstmessen Italiens. Jetzt wird sie unter der Leitung von Fabrizio Moretti neu ausgerichtet. Die Kooperation mit Münchens „Highlights“ beschert zusätzliche elf Aussteller. Außerdem stärkt die Messe ihr Angebot an junger Kunst.
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FlorenzDie Internationale Antiquitätenbiennale von Florenz (Biennale Internazionale dell’ Antiquariato“, BIAF) wird im Frühherbst unverdrossen und mit neuem Schwung wieder an den Start gehen (29. September bis 4. Oktober 2015). An der 29. Ausgabe der Verkaufsaustellung im edlen Renaissancepalast Corsini nehmen 88 Aussteller teil, 14 mehr als 2013. Zulauf erhält die Messe aus dem Ausland. Dies ist verwunderlich angesichts der geringen Verkaufschancen in Italien, wo der seit Jahren stagnierende Markt für Alten Kunst sich partout nicht erholen will. Doch gibt es eine einfache Erklärung für den Aufwind. Die Münchner Messe „Highlights Internationale Kunstmesse München“ entsendet eine elf Galerien starke Delegation an den Arno, womit sie die internationale Präsenz auf der BIAF allein zu knapp zwei Drittel bestreitet.

Die deutschen Gäste kommen mit ausgewählten Objekten, die sie auf einem Gemeinschaftstand präsentieren. Das Angebot versteht sich zugleich als Hommage an das Gastland Italien. Denn die elf Händler geben in ihrer Auslese Werken den Vorzug, die mit der Reise an den Arno gewissermaßen eine Heimreise antreten. So stellt George Laue ein exklusives Kunstkammer-Kabinett mit Schätzen aus der Renaissance und dem Barock vor.

Schritt halten mit dem Geschmackswandel

Die Kooperation zwischen München und Florenz soll keine Eintagsfliege sein, sondern eine langfristig angelegte Partnerschaft. Das zweite Rendez-vous findet im Kaiserhof der Münchener Residenz statt. Vom 28. Oktober bis 1. November 2015 wird eine Gruppe italienischer Händler im Gegenzug die Bühne der Highlights- Messe bespielen.

Auch Junge Kunst wird in diesem Herbst erstmals stärker am Arno vertreten sein. Bisher wurde sie ausschließlich von Sperone Westwater vertreten. Nun soll das Angebot durch drei Galerien aus New York gestärkt werden, durch die Galleria Tega aus Mailand, die Galleria Frediano Farsetti aus Florenz und Tornabuoni Arte (Florenz/Mailand/Paris).

Sowohl das Münchner Gastspiel wie auch die Öffnung zur Moderne zeigen, dass die jahrzehntelang traditionell ausgerichtete Messe nach neuen Ufern strebt. Dies dürfte nicht zuletzt auf den Wechsel an der Führungsspitze zurückzuführen sein. Der renommierte Florentiner Galerist Fabrizio Moretti löst als neuer Generalsekretär der BIAF den langjährigen Präsidenten der Messe, Giovanni Pratesi, ab. Der Schlagabtausch steht im Zeichen der Aufbruchstimmung und dem Bestreben der Messe, mit dem Geschmackswandel Schritt zu halten.

Eröffnung durch Jeff Koons

Pratesi gehört zur alten Garde italienischer Antiquitätenhändler, die noch vom Ruhm vergangener Zeiten zehren, während Moretti, Jahrgang 1976, zur Generation der international vernetzten Kunsthändler zu rechnen ist. Moretti war einer der ersten italienischen Galeristen, die eine Zweitniederlassung im Ausland eröffneten. Heute ist seine Galerie in den Metropolen des internationalen Handels ansässig, neben dem Florentiner Hauptsitz sowohl in London als auch in New York.

Moretti hat zudem erkannt, dass in Italien die Kunstsammler, vor allem die auf Alte Kunst spezialisierten Sammler, vom Aussterben bedroht sind. Er will neue Sammler gewinnen und sie über die Hemmschwelle führen, die psychologisch von der Alten Kunst ausgeht, vielleicht aber auch von dem wuchtigen Portal des ehrfurchtsvollen Renaissance Palastes am Arno. Um der BIAF etwas von ihrem Heiligenschein und Glasglockendasein zu nehmen, setzt er denn auch auf eine poppige Eröffnung durch den amerikanischen Künstler Jeff Koons.

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