Antiquitätenmesse
Eine Grotte lädt zur Erkundung ein

Ab Samstag öffnet die sogenannte Nockherbergs-Messe für zehn lange Tage ihre Pforten. Hier auf der Kunst & Antiquitäten München gibt es immer wieder etwas zu entdecken, auch zu günstigeren Preisen. Das Angebot reicht von seltenen expressionistischen Holzschnitten über Biedermeiermobiliar bis hin zu elegantem Silber der skandinavischen Moderne.
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MünchenSie ist über 40 Jahre alt, standorttreu und kann offenbar auf ein breites Publikum zählen: die „Kunst & Antiquitäten München“ im Paulaner am Nockherberg (11. bis 20. Mai). Die zwei Mal jährlich stattfindende Regionalmesse geht in diesem Frühjahr mit rund 60 Ausstellern in die 88. Runde. Diesmal mit einem „Mix aus Hochkarätigem, Originellem und Sammlertrouvaillen“, wie sie selbstbewusst mitteilt. Das Stamm-Publikum weiß, dass es hier auch bayerische Volkskunst und Münchner Antiquitäten findet.

Zweidimensionale Raritäten

Die tiefe Grottenlandschaft des flämischen Malers Abraham van Cuylenborch hat dem Auge viel zu bieten und fordert den Entdecker heraus. Sie gehört zu den besonderen Objekten im Bereich der Malerei. Für das kleinformatige Kabinettbild, das um 1650 mit Ölfarben auf Holz gemalt wurde, erwartet. Kunsthandel Wittmann 7.500 Euro. Raritäten sind auch die expressionistischen Holzschnitte der Österreicherin Margarete Hamerschlag, weil sie vor ihrer Emigration 1936 entstanden. Mitgebracht hat sie der aus Wien angereiste Kunsthandel Wurzer, darunter das um 1925 geschaffene Blatt „Unterwerfung“ für günstige 950 Euro.

Bunte Steine am Strand

Immer attraktiv sind die kolorierten Kupferstiche von Maria Sibylla Merian. Ihr Blumenkorb von 1680 kostet im Kunstkabinett Strehler 4.200 Euro. Die Galerie Decker hat eines der typischen wirklichkeitsnahen Strandgemälde von Peder Mønsted auf ihrem Stand. Datiert ist die abwechslungsreiche, von vielen bunten Steinen geprägte Küstenlandschaft von Aalsgarde 1919. Mønsted hat seine Liebhaber vor allem im angelsächsischen Sprachraum. Er gilt als einer der bekanntesten skandinavischen Landschaftsmaler der Jahrhundertwende.

Ein schöner Schrank für Bücher

Das Möbel-Angebot legt seine Schwerpunkte auf das leichter verkäufliche Biedermeier und Moderneres. Ein schön gemaserter Bücherschrank aus Nussbaumholz spielt beim Kunsthandel Martini den Blickfänger. Er wurde in Frankreich um 1830 gefertigt und soll 36.000 Euro kosten. Dazu gesellen sich ein Billardtisch aus Kirschholz, der wenig früher in Straßburg entstand (Kunsthandel Jordan), eine süddeutsche Tischuhr (Antike Uhren Grundner) und Axel Schlapkas Möbel aus Schloss Nymphenburg, die um 1820/25 in der Hofschreinerei Daniels gefertigt wurden. Klaus Spindlers teilvergoldetem und weiß gefassten Salonstuhl sieht man seine Bestimmung für die Münchner Residenz an. Entworfen hat ihn der Münchner Hofarchitekt Leo von Klenze um 1920. Er ist mit 17.500 Euro ausgepreist.

Biskuitporzellan mit Leuchteffekt

Klassizismus-Spezialist Peter Fink ist stolz auf ein Paar Nachttischlampen von KPM. Solche, ab 1793 aus dünnem Biskuitporzellan gefertigten Leuchten waren schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Markt. Drei Exemplare nur sind bekannt, davon ist eines verschollen. 15.000 Euro setzt Fink für die Rarität an. Jugendstilhändler Denes Szý hat eine Meissen-Sauciere von 1910 mit dem berühmten Peitschenhiebmuster ihres Entwerfers Henry Van de Velde. In diesem Jahr wird sein Jubiläum gefeiert.

Ein Blickfang ist die elegante, von dem dänischen Silberschmied Georg Jensen ausgeführte Silberschale auf dem Stand des Kunsthandels Szý. Sie entstand in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre. Den Entwurf lieferte der für sein sachliches skandinavisches Design berühmte Entwerfer Henning Koppel bereits 1948. Namhafte Vertreter des weichen Funktionalismus im Skandinavien der 1930er-Jahre hat die zum ersten Mal auf dem Nockherberg ausstellende Galerie Diehl im Angebot. Dazu gehören Objekte des Silberschmieds Svend Weihrauch und der Dänen Johann Rohde und Evald Nielsen.

Die 88. Kunst & Antiquitäten München läuft vom 11. bis 20. Mai 2013 im Festsaal des Paulaner am Nockherberg, München. Sie ist täglich geöffnet von 11 bis 19 Uhr, Mittwochs bis 21 Uhr.

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