Antiquitätenmesse
Schrumpfprozesse in Herrenhausen

Die Goldenen Jahre, als man in Herrenhausen parallel zur Industriemesse die Prominenz aus Politik und Wirtschaft empfing, sind vorbei. Doch angesehene Händler halten der arg geschrumpften Messe die Treue. Ihren Kunden zuliebe und auch, um die einzige Kunstmesse der Region zu stärken.
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MünchenIn punkto Ausstellerzahl übt sich Hannovers einzige Kunst-Messe, die antique & kunstsalon herrenhausen, in Bescheidenheit. Nur 23 Galerien und Kunsthändler stellen vom 10 bis 13. Mai im barocken Schloss Herrenhausen aus. Das Angebot changiert zwischen High and Low, wie man im Englischen sagen würde. Doch es hält an Gemälden und Antiquitäten, an Silber, Ikonen und historischem Schmuck einiges bereit, was auch auf anderen Messen Bestand hätte. Museumsqualität etwa besitzt jener Berliner Aufsatzschreibschrank mit bauchig gearbeitetem Unterteil, den Möbelspezialist Thomas Schmitz-Avila für 95.000 Euro anbietet. Er wurde 1771 als Meisterstück von Christian Hamann gefertigt. Ein ähnliches Stück befindet sich heute im Kunstgewerbemuseum Köln. Marktfrisch aus einer süddeutschen Sammlung bringt die Asiatika-Galerie Hardt eine nordindische, herrlich plastisch gearbeitete Stein-Steele mit der Darstellung des Ganesha des 15. Jahrhunderts nach Hannover. Der Hauptgott der Hindus mit dem Elefantenkopf ist mit typischen Attributen wie der Ratte und einer Schale Reis ausgestattet und kostet 60.000 Euro.

Christian Rohlfs aus der Sammlung Geller

Von Alten Meistern bis zu Zeitgenossen wie Udo Lindenberg reicht das Angebot an Gemälden. In feinem detailgenauen Stil seiner Zeit malte Ende des 18. Jahrhunderts Philipp Jakob Loutherbourg einen "Ausritt an den Strand", den die Galerie Rückeshäuser für 16.000 Euro offeriert. Galerie Birchall hingegen hält neben Arbeiten von Heinrich von Zügel und Ludwig von Hoffmann ein klassizistisches Damenporträt des in Bremen tätigen Georg Heinrich Tischbein für 5.800 Euro bereit. Große Popularität genießen die schwärmerischen Blumenstücke Anna Peters aus dem späten 19. Jahrhundert. Schwertlilien und Pfingstrosen bestimmen ihr üppiges Bukett am Stand von Kunsthaus Bühler (13.500 Euro). Die Galerie aus Stuttgart bietet zudem eine Auswahl an Plastiken von Fritz Klimsch aus den 1920er und 1930er Jahren in der Preisspanne zwischen 20.000 bis 45.000 Euro an.

Ein Zeitgenosse Klimschs war der Berliner Sezessionist Fritz Rhein. Von ihm ist bei der Galerie Wall ein kleines, mit schöner Lichtführung gestaltetes Kabinettstück mit der Ansicht des Berliner Schlosses um 1920 (16.500 Euro) zu entdecken. Aus der berühmten Sammlung des Neusser Moderne-Sammlers und Kunstmäzens Johannes Geller stammen drei Gouachen von Christian Rohlfs. Die expressionistischen Landschaften (25.000 bis 35.000 Euro) von 1909 bis 1912 konnte die Galerie Decker unmittelbar vor der Messe aus dem Besitz der Geller-Nachfahren akquirieren.

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Schrumpfprozesse in Herrenhausen

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Johann Joachim Kaendlers schöne Falknerin

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