Antoine de Galbert
"Viele Kunstwerke sehe ich nur einmal"

Mit seinem eigenen Museum, in dem er nur selten Stücke seiner umfangreichen Sammlung ausstellt, sticht Carrefour-Erbe und Kunstmäzen Antoine de Galbert aus der Masse der großen internationalen Kunstsammler heraus.
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ParisAntoine de Galbert ist die Ausnahme unter den großen internationalen Kunstsammlern. Er betreibt ein eigenes Museum in Paris, das Kunstzentrum „maison rouge - Fondation Antoine de Galbert“. Doch dort zeigt der studierte Politikwissenschaftler nur gelegentlich Werke aus seiner umfangreichen Sammlung. Meist stellt er andere Privatsammlungen aus, mit deren Kunstwerken er gern in Dialog treten möchte.

Eines der persönlichen Markenzeichen des französischen Großsammlers de Galbert ist sein introvertiertes, markant-männliches, verführerisches Lächeln. Das zweite Charakteristikum des 55-Jährigen sind seine Blue Jeans, die er mit sozialem Understatement zu fast allen Gelegenheiten trägt.

Sein gewinnendes Lächeln setzt er während des Interviews mit dem Handelsblatt äußerst sparsam ein. Nur auf die Frage, wie er eigentlich psychisch damit umgeht, dass alle Welt ihn mag, reagiert er überrascht. „Ach so? Ich empfinde es nicht so, denn das ist in meinem Kopf nicht so einfach. Ich bin eigentlich bescheiden“, bekennt er mit zufriedenem Schmunzeln.

Diese sehr persönliche Aussage ist untypisch für den schüchtern-zurückhaltenden, diskreten Adeligen aus Savoyen. Er spricht lieber über Aspekte seiner Sammlung oder den Kunstmarkt. Wenn er die Unsitten des Marktes aufspießt, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Kürzlich hat er auf einem Kolloquium zum Thema „Kunst und Geld“ die Spekulation kritisiert: „Der Markt für Gegenwartskunst ist extrem spekulativ und zieht im Moment Leute an, denen es nicht um Kunst geht. Aber niemand denunziert sie, denn diese Leute sind mächtig und haben viel Geld.“

De Galbert, der "Anti-Pinault"

De Galbert selbst sammelt nach persönlichen Kriterien, absolut gegen den Mainstream oder Jetset-Trends. Ihn als „Anti-Pinault“, den trendbewussten Christie’s Eigentümer und Megasammler, zu bezeichnen wäre zwar eine griffige Formel. Sie wird aber dem ernsthaften Sammler mit trockenem Humor, der Wortspiele liebt, nicht gerecht.

Seit der Gründung der Stiftung „maison rouge“, im Jahr 2004 in der Nähe der Bastille, und wachsenden Besucherströmen zählt de Galbert zu den hofierten Gestalten der Pariser Kunstszene. Er ist aber keineswegs so mondän wie in Paris üblich. Der Kunstkenner taucht kurz auf Galerien-Vernissagen auf, kauft entschlossen und verschwindet wieder. Der Direktor der Museen von Besançon, Emmanuel Guigon, meint dazu: „Antoine braucht seine Stiftung nicht als soziale Rechtfertigung, denn er existierte schon vorher als Galerist und Sammler in Grenoble.“

Das „maison rouge“, ein kleines rotes Haus mitten im Kunstzentrum, in dem die Büros untergebracht sind, gab der Stiftung den Namen. Erst nach sechs Jahren als Plattform für andere Sammler gönnte de Galbert sich und den Besuchern im Sommer 2010 einen Blick in seine eigene Sammlung. Auf 2 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche breitete der Privatsammler seine ethnologische Sammlung mit afrikanischem und ozeanischem Kopfschmuck aus. Eine Schau, die eine reine Wonne für die zahlreich strömenden Besucher war. Ihr Titel „Reise in meinem Kopf“ sagt etwas aus über das, was die Kunst dem Sammler ermöglicht.

Sie reihte sich ein in das anspruchsvolle, abwechslungs- und erfolgreiche Ausstellungsprogramm. De Galbert bespricht es mit seiner Direktorin Paula Aisemberg, doch prinzipiell entscheidet er es allein. „Was ich zeige, ähnelt meiner Sammlung. Denn was mich interessiert, ist meine Subjektivität auszudrücken. Meine Sammlung hilft mir, um das Programm zu gestalten.“

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