„Aqua-Golf" heißt der neue Trend
Dumme Idee mit tollen Folgen

In Deutschland erfunden:Wie Aqua-Golf Technik und Kraft verbessert. Und warum Golfen ein idealer Sport fürs Hirn ist.

Was für ein merkwürdiges Bild: Da steht dieses Grüppchen fast nackter Menschen im halbtiefen Wasser. Jeder hat einen Golfschläger in den Händen und tut so, als gelte es, einen imaginären weißen Ball möglichst weit auf ein nicht vorhandenes Grün abzuschlagen. Immer wieder und wieder. Natürlich fliegt da nichts. Außer einigen Spritzern Wasser.

"Aqua-Golf" nennt sich der Trend, der seit kurzem unter Golfern von sich reden macht. Es ist eine Art Trockentraining im warmen Wasser.

"Aus einer dummen Idee" sei diese Trainingsmethode entstanden, erzählt der Erfinder Claus Morgenstern, ein Hamburger Arzt für Hals, Nasen und Ohren. Zusammen mit einem Patienten habe er sich Gedanken gemacht über Rückenprobleme und Wassergymnastik. Dabei seien sie darauf gekommen, den grünen Sport doch kurzerhand in die Schwimmhalle zu verlegen. Zumal ihr Club einer der wenigen ist, der auch über ein Schwimmbad verfügt. So etwas haben lediglich 20 der 650 deutschen Golfclubs.

Zunächst habe sich das Training auf die Golffreunde im Club beschränkt. Dann hätten örtliche Medien Wind davon bekommen - und so sei die Idee bald auf dem Markt gelandet. Sie beruht darauf, dass im Wasser der Widerstand 800-mal größer als in der Luft ist. Aber das eigene Körpergewicht beträgt nur ein Zehntel dessen, was wir an Land mit uns herumschleppen. Der Golfer ist damit deutlich leichter und kann seinen Schwung in Zeitlupe ausführen, weil er gegen den Druck des Wassers arbeiten muss.

Neben dem Wohlfühleffekt im warmen Wasser verheißt Aqua-Golf einen zehn- bis 15-prozentigen Zuwachs der großen Rückenmuskulatur und damit mehr Stabilität der Wirbelsäule. Ein zwei- bis dreimaliges Training pro Woche ist die Voraussetzung. Speziell entwickelte Unterwasser-Golf-Schläger - flacher Teller, spitzer Kegel oder Hohlform - lassen Schwünge in drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu. Dass der Schwung unter Wasser so langsam ausgeführt werden muss, kommt der Technik sehr zugute, besonders bei der Hüftdrehung, der Schulterrotation und der Putt-Bewegung.

Willkommener Nebeneffekt des ungewöhnlichen Unterwassersports: Die Koordination verbessert sich und damit auch die Weite. "Bei mir", erzählt Arzt Morgenstern, "hat sich die Ballgeschwindigkeit um 40 auf 178 Stundenkilometer gesteigert." Und in seinem Club habe selbst der Golfer mit der besten Weite nochmals 30 Meter zugelegt. Folge: "Das Aqua-Konzept geht ab wie eine Rakete", wundert sich der 67-jährige Morgenstern. Nicht mal im Entferntesten habe er zunächst daran gedacht, Profit aus dem Konzept zu schlagen.

Gedacht ist die Wasserschule sowohl als Ausgleichstraining im Winter als auch als Ergänzung während der Golfsaison oder als Aufwärmtraining vor einem Turnier. Auch der Präsident des Hamburger Golf-Verbandes, Hans Braasch, hält viel vom Aqua-Golfen. Seit er unter Wasser trainiert, kann er auf schmerzlindernde Pillen verzichten, die er bisher vor jeder Runde an Land einnehmen musste.

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