Arabisches Museum
Nofretete auf der Nähmaschine

Berühmte ägyptische und arabische Kunstwerke haben schon vielen Zwecken gedient. Vor allem wurden sie ideologisch vereinnahmt. Das zeigt insbesondere das Beispiel der Nofretete. Wie jüngere Künstlergenerationen darauf reagiert haben, macht eine anregende Ausstellung im Museum für Moderne Kunst der arabischen Stadt Doha klar.
  • 0

DohaEbenso originell wie der Titel ihrer Ausstellung im Arabischen Museum für Moderne Kunst (Mathaf) in Doha (Katar) ist das junge Kuratoren-Duo Till Fellrath  und Sam Bardaouil. Der Deutsche und der Libanese führen ihr Büro „Art Reoriented“ in New York und München. Zwei Jahre nach der Eröffnungsausstellung des Mathaf vor zwei Jahren haben sie nun ihre zweite Schau in Doha ausgerichtet: „Tea with Nefertiti“ (Tee mit Nofretete“).

Die Ausstellung trägt den etwas gestelzten, aber programmatischen Untertitel: „Das Erstellen eines Kunstwerks durch den Künstler, das Museum und die Öffentlichkeit“. Er liefert das theoretische Untergerüst für die kunterbunte Schau, die wie ein intellektuelles Puzzle wirkt. Fellrath und Bardaouil haben Werke aus zwei Jahrhunderten und völlig unterschiedlicher Natur zusammengetragen. Ausgehend von der Büste der Nofretete, die der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt genau vor 100 Jahren, am 6. Dezember 1912, in der Pharaonenstadt Amarna im Haus des ägyptischen Bildhauers Thutmosis ausgrub, wählten die beiden Organisatoren freudig assoziierend seine Exponate.

Kunst für das kollektive Gedächtnis

An Hand von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Videos und Dokumenten hinterfragen die  Ausstellungsmacher die Rolle des Künstlers. Sie untersuchen die instrumentalisierende Funktion der Museen und demonstrieren die ideologische Einbindung von Kunstwerken in das kollektive Bewusstsein einer Nation. Dazu gehört zum Beispiel die Aufstellung der Monumentalskulptur von Mahmud Mouktar, „Egypt Awakening“ (Ägypten erwacht) 1928 in Kairo, die im Zusammenhang mit dem wachsenden Nationalgefühl stand. 

Nofretete taucht zu Beginn der Schau in Nahaufnahme auf:  Youssef Nabil reduziert „Nefertiti“ auf ihr Gesicht. Seine handkolorierte Fotografie bietet die Pariser Galerie Nathalie Obadia in einer Auflage von drei oder zehn Exemplaren zu Preisen ab 20.000 bis 60.000 Dollar an. Eine andere Vision der Pharaonengattin zeigte Candida Höfer 2009, als sie die Büste der Nofretete in der Glasvitrine im Riesensaal des Neuen Museums in Berlin fotografierte. Es scheint, dass Höfer das Museumsgebäude ebenso wichtig ist wie die ausgestellte Nofretete, die nur ein Element ihrer Aufnahme ist. Das ungarische Künstlerpaar Little Warsaw (Balint Havas und Andras Galik) fertigten für Nofretete einen Körper aus Bronze an und filmten, als ein Museumskustos die Büste vorsichtig auf die schmale Silhouette setzte.

Eine ideologisch umfunktionierte Abbildung der Nofretete befand sich in den 1950er-Jahren auf der ägyptischen Nähmaschinenmarke „Nefertiti“. Fellrath und Bardaouil wählten das Foto der grünen Nähmaschine für den Umschlag ihres exzellenten (englisch/arabisch sprachigen) Katalogs.

Seite 1:

Nofretete auf der Nähmaschine

Seite 2:

Umgewidmete "Tupperware"

Kommentare zu " Arabisches Museum: Nofretete auf der Nähmaschine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%