Kultur + Kunstmarkt
Archäologen finden vorchristliches Gräberfeld in Schwaben

Bei Ausgrabungen im Lechtal nördlich von Augsburg haben Archäologen Reste eines großen vorchristlichen Siedlungs- und Gräberfeldes gefunden. Der Fundort überraschte die Experten.

dpa ERLINGEN. Bei Ausgrabungen im Lechtal nördlich von Augsburg haben Archäologen Reste eines großen vorchristlichen Siedlungs- und Gräberfeldes gefunden. Der Fundort überraschte die Experten.

„Diese Siedlungen dürften hier gar nicht sein“, sagt Andreas Büttner, Gebietsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Schwaben. Denn die Fundstelle bei Erlingen liegt im früheren Überschwemmungsgebiet des Lechs. Auf der schmalen, lang gestreckten Anhöhe waren die vorzeitlichen Siedler aber offenbar vor Hochwasser sicher.

Die Grabungen belegen, dass dort 2000 Jahre lang Menschen lebten, von der Jungsteinzeit bis etwa ins Jahr 200 vor Christus. „Wir haben hier einige Überraschungen erlebt“, sagt Grabungsleiter Stefan Hainski. Denn nicht nur der Fundort war ungewöhnlich, auch die Zahl der Entdeckungen. Bislang wurden bereits 3000 Funde registriert. Dabei sind sich die Fachleute noch gar nicht sicher, ob sie schon das ganze Ausmaß der Siedlung kennen.

In den Äckern fanden Hainski und sein Grabungsteam viele Keramikscherben. Die Urnen aus dem früheren Friedhof waren über die Jahrhunderte beim Pflügen zerstört und an die Oberfläche gerissen worden. Nur ein Grabgefäß konnten die Fachleute unversehrt bergen. Tiefer im Boden brachten schwarze Verfärbungen die Archäologen auf die Spur von Häusern. Mittlerweile sind sie sicher, allein den Bestand von 100 Behausungen nachweisen zu können. Überdies wurden Reste von Brunnen und Gebrauchskeramik gefunden.

„Etwa 80 % der Funde stammen aus der Urnenfelderzeit“, sagt der Experte des Landesamtes für Denkmalpflege. Sie wird auf 1200 bis 800 vor Christus datiert. Damals war es üblich, die Toten zu verbrennen und in Urnen zu bestatten. Daher hat diese Periode ihren Namen.

Fünf Archäologen und zehn Mitarbeiter sind seit September 2003 am Werk, um ein fast fünf Hektar großes Areal umzugraben. Inzwischen ist um die Maisfelder eine Kraterlandschaft entstanden. Das Grabungsteam aus Archäologen, Zeichnern und Bodenkundlern arbeitete zum Teil auch am Wochenende, um alles rechtzeitig bergen und dokumentieren zu können. Denn schon 2006 sollen auf der rund 700 Meter langen und rund 55 Meter breiten Grabungstrasse Autos rollen.

Wie viele Menschen in den vorzeitlichen Siedlungen bei Erlingen lebten und warum sie ihre Behausungen aufgaben, ist noch ungeklärt. Doch schon jetzt ist sich der Archäologe Büttner sicher: „Die Funde sind so imposant und eindrucksvoll. Sie werden uns viel Neues über die vorgeschichtliche Besiedlung im schwäbischen Raum bringen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%