Architekt Luigi Macaluso
Modulor und Zeitmaschinen

Eigentlich wollte Luigi Macaluso Autos entwerfen. Stattdessen ist der diplomierte Architekt heute Präsident der Luxusuhrengruppe Sowind – und spielt derweil in seiner Jugendstilvilla die Liebe zu Design, Architektur und Le Corbusier aus.

Es gibt Menschen, die würde diese Situation umtreiben: Jeden Morgen, wenn Luigi Macaluso, Eigentümer von Girard-Perregaux, aus der Haustür tritt, dann fällt sein Blick auf dieses Haus. Eine gelblich-beige Ziegelsteinfassade, ein Würfel mit zwei Apsiden, neoklassizistisch, ja, aber doch modern. Die Villa Turque ist ein Frühwerk von Le Corbusier, dem radikalen Architekten. Das letzte Haus, das er baute, als er noch Charles-Édouard Jeanneret hieß. Das letzte, das er in La Chaux-des-Fonds erstellt hat, seiner Geburtsstadt. Und eines der wenigen, die man besitzen kann, wenn man dort im schweizerischen Jura wohnt und arbeitet. Die Villa Turque jedenfalls gehört Ebel, einer Uhrenmarke, die sich denn auch „The Architects of Time“ nennt.

„Ich bin nicht neidisch, ich bin vieles, aber niemals neidisch“, sagt Macaluso und lacht ein verhaltenes, kehliges Lachen, als hätte er über Jahre gelernt, einen gewaltigen Ausbruch mit speziellen Techniken unter Kontrolle zu halten. Dabei ist doch er der „Architect of Time“, sein Diplom in Architektur erwarb er 1974 in Turin. Und Le Corbusier kennt er nicht erst seit diesem Studium. Le Corbusier ist ein Faible, eine Leidenschaft.

In seinem Büro hängt eine große Tafel mit verschiedenen Porträts des großen Gestalters, fast alle mit dieser charakteristischen runden Brille. Rechts unter der Dachschräge ein Plakat von einer Corbusier-Ausstellung. Auf einem Tisch liegt eine runde Hornbrille, beinahe wie die auf den Fotos. Freunde haben sie ihm mal geschenkt, als kleine Anspielung auf seine Vorliebe.

Als der groß gewachsene Italiener mit den undurchdringlichen Augen und dem bei einem Unfall deformierten Jochbein sie in die Hände nimmt, scheint es, las hätte er sie lange vergessen. Sein Arbeitszimmer ist voll mit Stapeln, Mappen und Modellen, ein Bild von seiner Tochter mit einer Orange auf dem Kopf liegt hinter diversen Miniaturautos auf einem Sideboard von Eileen Gray, das, wie passend, „Architects Cabinet“ heißt. Der große Schreibtisch stammt natürlich von Le Corbusier. Aber er ist nicht Showstück, nicht Schrein, sondern vielmehr Arbeits-, nein ein Lebensmöbel, ein Sammelsurium von Papieren, Krimskrams und ein paar Weisheiten. Auf einem Zettel steht: „What a life!“.

Luigi Macaluso ist Präsident der Sowind-Gruppe, eines der wenigen Familienunternehmen der Uhrenbranche. Als Italienimporteur von Marken wie Breitling hatte der Turiner – heute besitzt er auch die Schweizer Staatsangehörigkeit – ein kleines Vermögen gemacht. 1992 kaufte er zu seiner 20-prozentigen Beteiligung an Girard-Perregaux noch die restlichen 80 Prozent dazu, ging in die Schweiz und schickte sich an, die Marke als unabhängige Manufaktur im Elitesegment zu positionieren. Heute hat Girard-Perregaux zahlreiche eigene Uhrenkaliber – bis auf die Spiralen fertigen sie alles selbst. Und die Spitzenmodelle können auch mal eine halbe Million Euro kosten. Zur Firmengruppe gehört zudem die Uhrenmarke JeanRichard.

Muss man Architekt sein, um so ein Imperium aufzubauen? Eigentlich wollte Luigi Macaluso Designer werden. „Mein Traum war es, Autos zu gestalten“, sagt er. Kein Wunder. Denn eigentlich war er der „Racing Architect“, während seines Studiums fuhr er im Fiat-Werksteam Rennen, wurde 1972 Rallye-Europameister, 1973 Zweiter und 1974 italienischer Meister. Er war verantwortlich für die Entwicklung des Fiat X 1/9 Abarth – eine Rennversion des kleinen Volkssportwagens. „Der X 1/9 war ein interessantes Auto in Bezug auf seine Architektur“, sagt Macaluso. Ausgestattet mit einem Mittelmotor, mit Kunststoff- und Aluteilen auf 750 Kilogramm abgespeckt. Macaluso entwickelte das Auto drei Jahre lang. Die Testergebnisse überzeugten, die Presse war begeistert. Um zur Rallye zugelassen zu werden, mussten 400 Autos in Serie produziert werden, die Produktion war schon lanciert. Dann entschied sich Fiat, alles zu stoppen, und setzte stattdessen auf den Fiat 131, eine Limousine. „Ich war sehr enttäuscht“, bekennt Macaluso, „besonders weil das Auto konkurrenzfähig war. Und dann sagte ich: Basta.“

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