Ariadne von Schirach
„Oversexed and Underfucked“

Ein Plädoyer für die Verführung hält Ariadne von Schirach in ihrem Buch "Der Tanz um die Lust". Für weite Teile der Presse sind andere Aspekte interessanter. Schließlich geht es um Pornographie, Sex und Erotik. Aber auch um die große Liebe.
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LEIPZIG. Wer "Der Tanz um die Lust" von Ariadne von Schirach liest, der fühlt sich sofort an den Skandalroman "Ausweitung der Kampfzone" von Michel Houellebecq erinnert. Beide stellen eine Gesellschaft dar, in der Sex zur Ware wird, den Marktgesetzen folgt und einer neuen Währung gleicht. Sex ist damit einerseits omnipräsent und andererseits - zumindest für einen Teil der Gesellschaft - unerreichbar. Ariadne von Schirach fasst dies unter dem Slogan "Oversexed and Underfucked" zusammen.

"Der Tanz um die Lust" ist das Erstlingswerk der 28-jährigen Autorin, die an der Humboldt-Universität Berlin Philosophie, Psychologie und Soziologie studiert. Die Parallelen zu Houellebecqs Theorien versteckt sie nicht: Nach elf Seiten wird das erste Mal auf den französischen Autor verwiesen, an vielen weiteren Stellen kommt von Schirach auf Houellebecq zurück. Und doch ist "Der Tanz um die Lust" vollkommen anders. Sie sei viel hoffnungsvoller als Houellebecq, sagt Ariadne von Schirach im Gespräch. "Er denkt das in Radikalität zu Ende, während ich noch Hoffnung habe. Ich denke, dass wir immer noch die Meister unserer Geschichte sind. Jeder für sich und die Menschen im Allgemeinen."

Das Buch geht zurück auf einen gleichnamigen Essay, den von Schirach 2005 im Spiegel veröffentlichte. Im Anschluß daran erhielt sie ein Angebot für ein Buch - Ariadne von Schirach nahm diese Chance wahr und ließ ihre Magisterarbeit über die Performance-Künstlerin Nikki S. Lee erst einmal ruhen.

Eine Ich-Erzählerin lässt den Leser des Buchs an ihrer Erlebnissen, Theorien und Forderungen teilhaben. "Die Ich-Erzählerin ist manchmal sehr nah an mir dran, manchmal weiter weg. Es bleibt dem Leser überlassen, herauszufinden, wo das jeweilige der Fall ist", sagt die Autorin. In vier etwa gleich großen Blöcken werden "die pornographischen Strategien", "die erotischen Strategien", "die Jagd" und die "Liebe" abgehandelt. Wirklich durchgehalten wird diese scharfe Trennung nicht. Die Kapitelthemen werden als Ausgangspunkt genommen, um sie dann voneinander abzugrenzen oder zu vermischen. Je nachdem. Auf den Leser wirkt das manchmal chaotisch. Die meisten Erkenntnisse gewinnt die Erzählerin in "Der Tanz um die Lust" in langen Nächten. Bei viel Wodka, auf Frauenabenden, Partys oder Kneipentouren mit Kunstfiguren wie Vince, SusiPop oder König Gunter. Hauptsache in Berlin.

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