Ars Nobilis
Wo Experten das Besondere erwerben

Die Ars Nobilis ist die feinste aller kleinen Kunst- und Antiquitätenmessen. Das Angebot ist so abwechslungsreich wie lange nicht mehr. Zum ersten Mal auf dieser für Alte Kunst so wichtigen Leistungsschau beteiligen sich auch Berliner Designgalerien: ein echter Gewinn
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BERLIN. Zu den 36 Ausstellern, die sich in eigenen Ständen präsentieren, kommen 16 Gäste, die Vitrinen zum Zentralthema „Modelle“ bestücken. Zum ersten Mal auf dieser für den geschrumpften Berliner Markt für Alte Kunst so wichtigen Leistungsschau beteiligen sich auch Berliner Designgalerien, die auf Anregung von Ulrich Fiedler in einem Separatareal im ersten Stock des Automobil Forums ihre Möbel und Kunstgewerbeobjekte ausbreiten: ein echter Gewinn.

Die Zentralschau deckt die ganze Vielfalt des Modellthemas vom Anatomiekopf über Architekturbeispiele bis zur Ofenentwurfszeichnung von Max Klinger ab. Hier finden wir die Kleinbronze der Pariser Vendome-Säule, ein Beitrag des Berliner Händlers Ernst von Loesch. Außergewöhnlich sind die Ofenmodelle aus dem Besitz von Udo Arndt, die allesamt für das Ofen- und Keramikmuseum Velten reserviert sind.

Zu den schönsten der hier gezeigten Möbelmodelle, die von der Forschung je nach Sachlage als Gesellenstücke, Schaufensterobjekte, Reisemodelle oder Spielzeug gedeutet werden, ist ein barocker Schreibschrank mit feinem Nussbaumfurnier. Das Musterstück kostet 9 800 Euro bei Ariane Laue.

In der Mitte der Koje von Albrecht Neuhaus thront unübersehbar das im 18. Jahrhundert aus Perlmuttblättern und Elfenbein auf Ebenholz gearbeitete Kuppelmodell des Doms zu Florenz, das 36  000 Euro kostet. Wie immer setzt Neuhaus Hauptakzente. So hängt bei ihm ein kapitales Werk des nach Antwerpener Anfängen in Bologna tätigen Giacomo Legi: ein großes Stillleben mit Turteltauben und weißem Pfau, das auf 300  000 Euro angesetzt ist.

Dass wieder zahlreiche Berliner Möbel erster Qualität aufgefahren werden, gehört zur guten Tradition dieser Herbstmesse. Hohe Publizität genießt ein Satz von sechs mit Ahorn eingelegten Mahagonistühlen nach Schinkel-Entwurf, die der Münchener Händler Axel Schlapka für 120  000 Euro anbietet. Geradezu wohlfeil angesichts früherer Biedermeierpreise erscheinen die jeweils rund 15 000 Euro, die der rheinische Möbelspezialist Thomas Schmitz-Avila für einen klassischen konischen Aufsatzsekretär und einen „pompejanisch“ bemalten Nähtisch der Berliner Hoftischler Christian Sieverding und Joseph Schneevogel fordert. Ein seltenes Bureau-plat des Dresdener Rokoko mit geschwungener Galerie aus Wettiner Besitz steht für 780 000 Euro am Stand von Neuse, der den im Juni bei Christie’s für rund 170 000 Euro ersteigerten Prunkhumpen des Berliner Historismus als monumentalen Blickfang aufgestellt hat. Zu den stillen Magneten dieser Messe gehören am Stand von Glass, Essen, zwei Goldleder-Panneaux der italienischen Renaissance (je 67 000 Euro).

Vordergründiger, aber ungewöhnlich mit seinem Früchtedekor statt der üblichen Deckelbecher ist ein Meissener Tafelaufsatz nach Kaendler-Modell (42 000 Euro bei Steinbeck). Berliner Eisenguss gibt es wieder reichlich, von der Miniaturstatue bis zur großen Schinkelbüste und den Hermengirandolen (bei Wittenborn-Czubaszek und Klaus Spindler).

Wie immer starke Akzente setzt der Hamburger Zeichnungenhändler Martin Moeller. Er hat ein Konvolut von Menzel-Blättern zusammengestellt, darin die Ölstudie eines Mannes mit Bart (85 000 Euro). Wichtige Exponate der Bilderhändler Frye sind eine frühe ovale Jagdlandschaft von Roelant Savery (150000 Euro) und Johann Friedrich August Tischbeins Porträt eines preußischen Kammerherrn (85 000 Euro).

Modefreaks aller Altersklassen dürften sich am farbigen Edel-Modeschmuck der 50er- und 60er-Jahre bei Dukek zu Preisen zwischen 1 000 und 2 000 Euro erfreuen. Eine Schmuckpretiose der 30er-Jahre ist bei Ulf Breede ein in Gold und Elfenbein als Brosche gearbeiteter Pegasus (8 500 Euro).

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