Art Basel
Der Nabel der Kunstwelt

Bei der Art Basel, der weltweit wichtigsten Messe für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, dominiert auf den ersten Blick Bekanntes, auf den zweiten Blick beeindrucken leisere, kritische Arbeiten.
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BaselIn Documenta-Jahren spiegelt sich deren Künstlerschar üblicherweise auch im Angebot der Art Basel, der weltweit wichtigsten Messe für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Nicht so im Jahr 2012. Anders als ihre Vorgänger verzichtet Carolyn Christov-Bakargiev auf die Ausstattung durch mächtige Großgalerien mit ausgedehntem Filialnetz (Handelsblatt vom 8.6.).

Für die 43. Ausgabe der Art Basel hat das zur Folge, dass sattsam bekannte Kunst, die auch auf Auktionen wie eine Marke funktioniert, das Bild auf den ersten Blick bestimmt. Allen voran das im abgedunkelten Raum präsentierte, unbetitelte Ölgemälde von Mark Rothko in Gelb-Orange bei Marlborough mit dem selbstbewussten Preis von 78 Millionen Dollar.

Erst auf den zweiten Blick fügen sich auf der Art Basel die leiseren Arbeiten mit und ohne Documenta-Bezug zu einem kritischen Bild einer Gesellschaft, die mit vielfältigen Verwerfungen zu kämpfen hat.

Die Berliner Galerie Carlier-Gebauer trumpft auf mit einer zweiteiligen Riesenzeichnung von Julie Mehretu: Feuerstürme und symbolisierte Explosionsherde ziehen hier über zarte Schichten von Sportstadien - gemalt kurz vor 9/11. Im Rückblick wird das Bild zum Menetekel. Nun soll das letzte seiner Art, Mehretu verzichtet seitdem auf Feuerstürme, zwei Millionen Dollar kosten.

Die starkfarbigen Öl-Kleinformate der hochbetagten Etel Adnan faszinierten das Publikum schon in Kassel. In Basel bietet die Galerie Sfeir-Semler (Hamburg, Beirut) sie nun für 13 000 Euro an. Die Marionetten, die Wael Shawky für einen seiner Filme über die mittelalterlichen Kreuzzüge aus Sicht der Araber brauchte, sind bei Sfeir-Semler für 17 000 Euro zu haben. Und die polnische Künstlerin Goshka Macuga, die mit einem Bildteppich prominent in Kassel hängt, ist bei ihrem Stammgaleristen Rüdiger Schöttle (München) mit Fotoarbeiten zur Zensur in Polen dabei (18 000 bis 30 000 Euro).

Foksal aus Warschau rückt Skulpturen von Monika Sosnowska (60 000 Euro) in den Mittelpunkt, die aus Treppengittern geformt sind: Überbleibsel des genormten sozialistischen Wohnungsbaus und Zeichen der Transformation. Long March Space aus Peking beeindruckt mit dem Film "Symptom" von Chinas Videopionier Wang Jianwei. "Someone is getting rich" provoziert ein Neonschriftzug bei Regina aus Moskau/London. Was wie ein Kommentar zum Kunstmarkt aussieht, stammt von einem Graffiti. Gefunden hat es das Künstlerpaar namens Claire Fontaine in New Orleans nach der Flut.

Jeder Besucher muss sich auf der Art Basel seinen Weg durch 300 Galerien aus 36 Ländern zu Arbeiten von 2 500 Künstlern in drei Hallen selbst suchen.

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