Art Basel
Kauflust im schönen Irrgarten

Eine der Neuerungen im 37. Jahr der Erfolgsgeschichte Art Basel ist die Platzierung der Förderkojen „Statements“ vor die „Art Unlimited“. Das verleiht ihnen mehr Gewicht und Aufmerksamkeit. Die Sammler lassen sich durch hohe Preise nicht schrecken.

BASEL. Wenn es einen Trend gibt, dann den zur Zeichnung – nicht als Vorbereitung, sondern als Werk mit eigenem Gewicht. Raumfüllend sind drei Großzeichnungen Ralf Ziervogels bei Barbara Thumm, eingelassen in ein Bodenpodest, das den Kniefall vor der Kunst provoziert. Ziervogels Motive Sexus, Verfall, Tanz der Fliegen kommen ohne narrative Struktur aus. Kontinuum ist allein das Manische der Linie. Die mitreißenden Zeichnungen kosten 72 000 Euro. Günstiger sind da die farbintensiven Mischtechniken von Shannon Bool bei Iris Kadel (4700 bis 10  000 Euro), die letztlich auf einer freudianischen Analyse fußen.

Auch bei „Art Unlimited“, der Sektion für technisch oder finanziell aufwendige Kunst, lässt sich graphisch Ausdrucksvolles aufstöbern: Vibeke Tandbergs Zeitungsschnipsel aus der International Herald Tribune etwa (80 000 Euro bei Klosterfelde, Gerhardsen). Und vor allem Antony McCalls Projektion „You and I, horizontal“, in der abstrakte Linien durch Licht und Theaternebel zur raumgreifenden Inszenierung werden. Eine höchst poetische Arbeit in 5er-Auflage, für die Thomas Zander 40  000 Euro erwartet. Still und nur durch Lektüre zu erschließen ist Ilya Kabakovs ’Tennisplatz’: Auf Schultafeln thematisieren der Künstler und Boris Groys dialogisch den Kommunismus (Continua).

Doch das Gros frönt dem lärmenden Spiel, dem schnell verpufften Spaß: Carsten Höllers Karussell, Guptas Laufband mit Bleikoffern, John Bocks Stelzenhütte, Sylvie Fleurys „Venusrakete“ – alles bekannt und vorhersehbar. Den Gipfel schießen Martin Kersel (Deitch) und La Riot (Lorenzo) ab. Der Kalifornier Kersel lässt ein Jugendzimmer wie im Tumbler rotieren, bis es ohrenbetäubend zerkracht. Ein anderes billiges Spektakel ist La Riots Lachsalve. Die spanische Künstlerin lacht sich in ihrer Performance ein Loch in den Bauch und umarmt dabei naive Politparolen wie „Lost Guantanamo“. Soll man da lachen oder weinen?

Bildergalerie: Die Art Basel in Bildern

Bei den „jungen“ Galerien in Halle 2 dominieren nach wie vor Malerei, Skulptur und Installation vor der Fotografie. Wenn die Fotokunst dann auftritt wie bei Wolfgang Tillmans’ sensationellen Fotogrammen „Urgency“ (26 500 Pfund, Maureen Paley), dann sucht sie die Nähe zur Malerei. Für Buchholz hat Tillmans eine Wand mit monochromen Kleinformaten kreiert (60 000 Euro).

Malerei der besonderen Art bietet Atle Gerhardsen mit einer Zeichnung von Matthew Ritchie, die der Künstler fotografiert und in einen Leuchtkasten gesetzt hat (75  000 Dollar). Bewegt sich der Betrachter vor dem Großformat, verschwinden einzelne Partien – so wie sich im richtigen Leben der Blick auch verändert.

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