Art Cologne
Wieder Deutschlands Nummer eins

In Köln hat die 46. Art Cologne begonnen. Sie gilt als die beste und wichtigste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Geschätzt wird besonders das Nebeneinander von klassischen und experimentellen Positionen.
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KölnDie „Art Cologne“ ist inzwischen wieder Deutschlands beste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Das stellt die 46. Ausgabe in den Messehallen in Köln-Deutz anschaulich unter Beweis (bis 22. April).

Systematisch präsentiert die älteste aller Messen für aktuelle Kunst junge Künstler mit großem Potenzial. Und sie bleibt ihnen treu, wenn sie sich einen Platz in der Kunstgeschichte erobert haben. Wenn ihre Galeristen nach Jahren der Aufbauarbeit endlich gutes Geld verdienen können. Das Ende des Berliner „Art Forums“ hat sicher zur Nummer-eins-Position der Art Cologne beigetragen, vor allem aber die guten Verbindungen von Direktor Daniel Hug, der die Art Cologne seit 2009 runderneuert.

Das Miteinander von gut eingeführten und ganz neuen, sogenannten „Cutting edge“-Positionen hat nun auch David Zwirner bewogen, aus New York nach Köln zu kommen. Der Sohn des Messemitbegründers Rudolf Zwirner kehrt als transatlantisches Schwergewicht an den Rhein zurück.

Neben dem jungen, flüssig abgesetzten Konzeptkünstler Michael Riedel zeigt die Galerie Zwirner ein ganz neues Gemälde von Daniel Richter („Monday Morning“, 250 000 Euro) und „Parabel“, ein Hochformat von Neo Rauch aus dem Jahr 2008 (950 000 Euro). Das teuerste Exponat der Messe und am Stand von Zwirner ist „Der Soldat“ von Baselitz. Dieses rare Frühwerk konnte für 3 Millionen Dollar schnell verkauft werden.

Daniel Hug hat noch mehr Amerikaner nach Köln locken können. In einer strategischen Allianz stellen erstmals 33 Galerien auf der „Nada Cologne“ aus, dort wo bislang der „Open Space“ seinen Platz hatte. Die New Art Dealers Alliance (Nada) ist ein amerikanischer Galerienverband, dessen Messen auch Nichtmitgliedern offen stehen. In kleinen offenen Kojen testen u.a. die Nada-Galeristen Jack Hanley, James Fuentes und Lisa Cooley den hiesigen Markt mit experimenteller Kunst, die oft düster und im keinen Format daherkommt.

Aufmerksamkeit erheischt auf der Nada Cologne die Galerie Stereo aus Polen. Ihre Kunstwerke geben teilweise irritierende Geräusche von sich. So klackert und klickert es aus der Lampe „Thinking of something else“ von Wojciech Bakowski (4 500 Euro). Piotr Bosacki hingegen lässt Tonbänder im Wind flattern – in einem Objektkasten, der der Technik eine poetische Seite abzugewinnen versteht (1 800 Euro).

Dem Nichtsichtbaren, der Negativform gilt die Aufmerksamkeit der Künstlerin Asta Gröting. Die Berliner Galerie Carlier-Gebauer präsentiert auf der Art Cologne mit nur zwei neuen Skulpturen viel Stoff zum Nachdenken über Kunst, Fortschritt und Autoindustrie. Denn Gröting hat neben Adenauers Mercedes auch Goethes Kutsche (58 000 Euro) und ihren Smart in Polyurethan abgegossen. Nicht ganz, sondern immer nur die unsichtbare Unterseite. Kunst macht das Unsichtbare sichtbar, wusste schon Paul Klee.

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