Art-Fonds
Kunst-Investments beugen Geldentwertung vor

Kunst-Investmentfonds werden in den nächsten Jahren eine wachsende Rolle spielen, um Vermögen vor der Inflation zu sichern. Die Fondsgesellschaften versprechen den Anlegern eine sichere Rendite – doch das Angebot in Deutschland ist noch mehr als übersichtlich.
  • 1

LONDON. „Immer wenn der Wert des Geldes fällt, steigt der Wert von Sachwerten wie Kunst oder Gold“, sagt Angus Murray, Chef von Castlestone Management. Murray startete im Frühjahr einen Kunstfonds, bei dem Anleger schon mit der vergleichsweise niedrigen Summe von 10 000 Dollar dabei sein können. Experten erwarten in den nächsten Jahren eine steigende Inflation, da die Notenbanken in der Krise massiv Geld in die Märkte gepumpt haben.

Jüngste Auktionserfolge in Hongkong, London und New York scheinen Murrays Beobachtung zu bestätigen. „Wir stehen ungeachtet der Krise vor einem mehrjährigen Bullenmarkt für Kunst“, sagte Bernard Duffy, Geschäftsführer von Emotional Assets (EAMR), beim Launch des ersten von der Britischen Finanzaufsicht regulierten Kunstfonds.

Duffy glaubt, dass sich „emotionales“ Sammeln und rationales Investierens miteinander verbinden lassen. „Kunst wird eine Vermögensklasse wie Immobilien“, ergänzte Ökonomieprofessor Mike Moses, Mitbegründer des Mei Moses Art Index, jüngst auf einer Kunst-Investmentkonferenz. Der Index gibt die Rendite von Kunstwerken an.

Liquiditätsprobleme, eine geringe Transparenz und hohe Transaktionskosten haben allerdings die Versuche erschwert, den Kunstkauf in Anlageinstrumenten zu kollektivieren. Schon vor Jahren wurden viele neue Fonds angekündigt, dann aber doch nicht auf den Markt gebracht.

Kunst, Fotografie und Geigen

Das soll sich nun ändern. Duffy will mit dem „Emotional Assets Fund I“ in 15 Marktsegmente von Kunst und Fotografie bis Meistergeigen investieren und mit niedriger Schwankungsanfälligkeit 15 Prozent jährliche Rendite erzielen. Bei Mindesteinlagen von 100 000 Pfund wird eine Kapitalisierung von 50 bis 75 Mio. Pfund angestrebt. Der geschlossene Fonds mit fünf Jahren Laufzeit will 40 Prozent direkt in Kunst und 60 Prozent in andere Kunstfonds investieren.

Zur Verfügung stehen dafür Fonds wie der Art Photography Fund der Investmentgesellschaft Merit, der seit seinem Start im März 2008 bereits 18 Prozent Gewinn machte, oder der „Fine Violins Fund“, der 100 Mio. Dollar in Stradivaris investieren will. Aber die meisten Fonds sind noch im Aufbau. Am etabliertesten ist die Londoner Fine Art Group, die nach eigener Angabe bei ihrem Fonds I seit 2005 aus tatsächlichen Verkäufen eine Jahresrendite von 34 Prozent erwirtschaftete.

Bis heute ist nur ein Kunstfondsexperiment öffentlich volldurchgerechnet worden. Der British Rail Pension Fund investierte in der letzten Hochinflationsphase in den Siebzigerjahren 100 Mio. Dollar in 2 400 Kunstwerke von Porzellan bis Stammeskunst. Heraus kamen – auch mit viel Glück – 11,3 Prozent Jahresrendite.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Art-Fonds: Kunst-Investments beugen Geldentwertung vor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich mag diese geflügelten Worte eigentlich nicht, aber hier soll doch tatsächlich die nächste sau durchs Dorf getrieben werden. Kunst wie immobilien?

    Zum zweifelhaften Erfolg sollte man sich mal die Geschäftsentwicklungen der deutschen Versuche anschauen.. artfonds21 AG oder diese Pleite: http://www.art-magazin.de/kunstmarkt/6761/kunstfonds_hamburg

    Der Autor sollte auf dem Teppich und vor allem kritisch bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%