Art Forum
Mit Wirkung, nicht mit Masse klotzen

Die Europäische Messesaison beginnt mit einem gelungenen Auftritt des Berliner Art Forum. Besucher finden bewährte Namen und junge Künstler. Der wichtigste Trend: Ein Hang zum Romantischen.
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BERLIN. Der Berliner Kunstherbst hat mit den beiden Hauptveranstaltungen Art Forum und Abc Art einen Qualitätssprung nach oben gemacht. In schlanker, konzentrierter Gestalt präsentieren sich in den Hallen 18 und 20 des Berliner Messegeländes jetzt nur noch 110 Aussteller. Die Gesundschrumpfung ist dem Gesamtbild gut bekommen. Es gibt mehr Raum zum Promenieren, und man sieht sofort, in welchem Stand man länger oder kürzer verweilen möchte. In der Halle 18 gibt es größere, bewusst sparsam bestückte Stände, aber auch in den zumeist kleineren Kojen der anderen Halle herrscht Transparenz: Endlich eine Messe, die nicht mit Masse, sondern mit Wirkung klotzt. Neu ist, dass der Sektor Focus, in dem sich ausgewählte junge Galerien präsentieren, in den Hallenparcours eingebettet ist.

Arbeiten auf Papier haben Konjunktur

Schon beim ersten Rundgang fällt auf, dass die Fotokunst – nicht zuletzt durch die Messeabstinenz der Galerie Kicken – nicht mehr so dominant vertreten ist. Zwar gibt es sie noch, die Evergreens des Marktes wie eine sechsteilige frühe Selbstporträtserie von Katharina Sieverding (84 000 Euro bei Tolksdorf, Frankfurt) oder brandneue Exemplare wie Axel Hüttes dunstige „Moonlight“-Landschaft (38 000 Euro am selben Stand). Aber sie hängen oft an Außenwänden oder sind als Solitäre eingemischt. So etwa am Stand des Düsseldorfer Galerieveteranen Hans Mayer das Großporträt des Models Linda Evangelista von Peter Lindbergh (75 000 Euro). Überzeugender als dieses Starfoto ist hier eine Serie von 15 fotografisch dichten Zeichnungen Roberto Longos, die ein Konzentrat seiner Hauptthemen ist (250 000 Euro).

Viele Aussteller machen sich für einfache und objekthafte Zeichnungen und Aquarelle stark. Auch bei großformatigen Bildern gibt es eine ganze Reihe von Arbeiten, die zeichnerisch wirken. Dazu gehört die in zartem Pinselstrich mit Tänzern, Fabeltieren und einem gestiefelten Unterleib gefüllte Großleinwand der amerikanischen Altmeisterin Jo Baer (95  000 Euro in der Berliner Galerie Barbara Thumm). Ein subtiles Kontrastprogramm hat der Berliner Galerist Matthias Arndt in einer keilförmigen Koje aufgebaut: Auf winzigen Konsolen stehen hier mikroskopisch feine Federzeichnungen von Ralf Ziervogel, die die Themen Eros und Gewalt verbinden (je 3 000 Euro).

An Markenzeichen herrscht kein Mangel. Bei Eigen + Art hängt das obligatorische, bereits reservierte Figurenbild von Neo Rauch gegenüber einer Kreidemalerei von Martin Eder (16 000 Euro). Zwei große, 2006 datierte Gouachen von Sigmar Polke sind nur ein Schatten früherer Arbeiten. Sie kosten je 220 000 Euro bei Bjerggaard, Kopenhagen. Hier hängen auch zwei späte Baselitz-Gemälde, während die Hausgalerie des Künstlers, Contemporary Fine Arts, sich auf einen neuen Künstler konzentriert: den 1980 geborenen Hamburger Max Frisinger. Er füllt riesige Schauvitrinen mit Assemblagen aus banalem Alltagsgerät: wuchtig durchgestylte Trashkompositionen (35 000 Euro).

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